Privat

Bye-Bye Brille, hallo Durchblick: Meine Femto-LASIK

Im folgenden schildere ich den Ablauf meiner Augenlaser-Operation. Dies ist nur ein Erfahrungsbericht und auf keinen Fall eine Beratung. Bitte beachtet, dass medizinische Eingriffe immer mit gewissen Risiken verbunden sind. Falls ihr euch für eine solche OP interessiert, kontaktiert den Augenarzt oder das Augenlaserunternehmen eurer Wahl und lasst euch ausgiebig beraten, bevor ihr etwas entscheidet.

Es war irgendwann so zwischen 1995 und 1998, als ich in der Sekundarschule in der vordersten Reihe sass und so langsam bemerkte, dass ich den Text auf der Tafel nicht mehr wirklich gut lesen konnte. Also schleppte mich mein Mami nach Luzern zum Augenarzt und zum Optiker, und kurz darauf hatte ich meine erste Sehhilfe im Gesicht.

Zuerst spielte ich mit dem Ding sogar noch Eishockey. Allerdings vertragen sich ein verschwitzter, dampfender Kopf und Brillenglas nicht besonders, was dazu führte, dass die Brille ständig anlief – gerade als Goalie un petit peu suboptimal. Auf anraten von DJ Bobo höchstpersönlich beschaffte ich mir dann Kontaktlinsen, trug diese aber nur immer beim Sport, da sie beim längeren Gebrauch unbequem wurden.

Nun bin ich also seit über 20 Jahren mit Brille und Kontaktlinsen unterwegs. Wieso gerade jetzt was ändern?

  • Genervt hat’s mich an sich schon immer. Linsen fand ich nie bequem, die Brille verschmutzt viel zu schnell.
  • Die Brille fällt auch gerne mal runter, oder ich sitze versehentlich drauf.
  • Schonmal als Brillenträger ohne Schirm im starken Regen unterwegs gewesen? Ich hätte da eine tolle Story von meinem Sekundarabschluss, die mit einem blauen Knie endete1Ask me if you wanna know…
  • Etwas neueres Thema: Virtual Reality. Als Brillenträger sind die meisten Headsets zu eng. Und selbst wenn ich doch reinpasse, ist es sehr unbequem und die Brille läuft an. Alternativ gibt es korrigierte Linseneinsätze, aber auch die verschmutzen sehr schnell.

Nachdem mir im Sommer eine betterview-Werbung über den Natelscreen flimmerte, habe ich mich mit dem Thema „Augen lasern“ befasst. Eine Option, die ich bisher nicht gross beachtete, da ich davon ausging, dass sie – erstens – sauteuer ist und – zweitens – ich bei der Arbeit länger ausfallen würde.

Zu erstens: Ja, sie ist teuer, aber günstiger als befürchtet.

Zu zweitens: Der Eingriff selber ist sehr schnell. Je nach Methode ist man nach 2 – 5 Tagen wieder einsatzbereit.

Mein Interesse war nun geweckt, das Timing stimmte auch: Im Herbst 2023 feierte ich mein 20-Jahr-Jubiläum in der Firma, und das Dienstaltersgeschenk sollte die Kosten decken. Also vereinbarte ich einen Termin für eine Voruntersuchung.

Oktober 2023: Die Voruntersuchung

In der kostenlosen Voruntersuchung wurde zuerst geprüft, ob meine Augen überhaupt für eine Laserbehandlung in Frage kommen, und wenn ja, für welche Variante. Anschliessend wurde ein Sehtest – ähnlich wie beim Optiker – bei mir durchgeführt, um meine Sehstärke zu bestimmen, und danach die Details der Operation besprochen. Da bei mir alles i. O. war, empfahl man mir die Femto-LASIK: Diese Methode ist die teurere, aber dafür wäre ich innerhalb 1 – 2 Tagen wieder einsatzfähig. Die Termine für Hauptuntersuchung, Operation und erste Nachuntersuchung wurden gleich gesetzt und nach gut 30 Minuten stand ich wieder an der frischen Luft.

November 2023: Die Hauptuntersuchung

Die Hauptuntersuchung kann frühestens einen Monat vor der Operation gemacht werden. Bei mir war es Ende November soweit. Zuerst wurden – wie bei der Voruntersuchung – nochmals meine Augen geprüft und ein Sehtest durchgeführt. Anschliessend erhielt ich Augentropfen, um meine Pupillen zu erweitern, gefolgt von einer weiteren, sehr kurzen Überprüfung meiner Augen. Zuletzt dann der längste Teil: Von beiden Augen resp. der Hornhaut wurden sehr viele Fotos gemacht. Ich vermute, diese werden dann zu einem „ganzen“ Bild des jeweiligen Augen zusammengesetzt, damit der Laser bei der OP weiss, wo er hinschiessen muss. Danach war die Untersuchung auch schon zu Ende. Knapp 45 Minuten muss man dafür einrechnen. Aufgrund der erweiterten Pupillen darf man allerdings ein paar Stunden nicht Auto fahren, da man besonders im Nahbereich nur verschwommen sieht.

Der Tropfenplan

Direkt nach der Untersuchung erhielt ich den Tropfenplan mit Rezept, damit ich mir eine Startration der nötigen Augentropfen in der Apotheke besorgen konnte. Den Plan hänge ich mal hier an:

Tobradex ist rezeptpflichtig, allerdings benötigt man diese Tropfen nur eine Woche lang, daher reicht ein Fläschchen. Thealoz Duo heissen neu Lacrycon Duo, und die erhält man ohne Rezept. Insgesamt habe ich während der Tropfenphase 1x Tobradex (à ca. CHF 20.00) und 4x Lacrycon (à ca. CHF 25.00) benötigt. Weitere Details ganz unten bei den Kosten.

Zudem enthielt das Dokument wichtige Hinweise zum Verhalten nach der OP:

Dezember 2023: Die Operation

Am 15. Dezember war dann endlich der langerwartete OP-Termin und ich machte mich mit dem Zug auf den Weg nach Luzern. Nervös war ich erstaunlicherweise nicht, nur die Zeit danach machte mir etwas Respekt – die zeitige Anwendung der Augentropfen während der Arbeit, das Nicht-in-den-Augen-reiben… Ich kenn‘ mich doch…

Bei Betterview angekommen musste ich erst ein paar Minuten in der Empfangshalle warten – es gibt kein dediziertes Empfangspersonal, dieser Job wird durch die normalen Mitarbeitenden erledigt, welche allesamt beschäftigt waren. Nachdem sich dann doch jemand blicken liess und ich mich anmelden konnte, konnte ich es mir noch ein paar Minuten auf dem Sofa gemütlich machen, bevor es in den Vorraum des OP-Saals ging. Hier erhielt ich ein Häubchen für den Kopf und Kondome für die Schuhe, anschliessend ein paar Augentropfen2Um die Augen zu betäuben und zu desinfizieren. Last but not least einen kleinen Aufkleber aufs Shirt mit meinem Namen und Geburtsdatum – damit die Augenärztin dann auch sicher das richtige Laserprofil verwendet.

Flugs wurde ich dann in den OP-Saal verfrachtet und legte mich auf die bequeme Liege. Eine Rolle gab’s unter die Knie, damit’s bequemer ist, und zwei herzförmige Stressbälle in die Hände. Mir wurde eine Lidsperre eingesetzt, dann bewegte sich das ganze Bett nach links zum Femto-Sekundenlaser. Dieser Laser schneidet einen sogenannten „Flap“ in die oberste Hornhautschicht, der anschliessend auf die Seite geklappt werden kann. Stellt euch das vor wie der Deckel eines Joghurtbechers, den man soweit öffnet, dass er am Becher noch ein wenig dran hängt, damit man ihn am Ende wieder verschliessen kann. Klingt irgendwie eklig? Ja, das dachte ich mir auch, nachdem ich dieses Video3Achtung, nichts für schwache Nerven! sah. Aber man spürt davon gar nichts, nur einen kleinen Druck auf dem Auge, da dieses via Unterdruck etwas angesogen wird, um während des Laserns nicht zu verrutschen. Dieses „Ansaugen“ führt auch dazu, dass man während ein paar Sekunden gar nichts sieht.

Nachdem der Flap bei beiden Augen gelasert wurde, ging es nach rechts zum eigentlichen Excimerlaser. Das Umklappen des Flaps bekam ich noch scharf mit, doch kaum war der aus dem Weg, war die Sicht einerseits völlig verschwommen, und andererseits stellte sich ein Tunnelblick ein. Ich sah lediglich ein paar rote und ein grünes Licht. Auf letzteres musste ich mich konzentrieren, während der Laser ein paar Sekunden lang mein Auge bombardierte. Auch hier: Man spürt absolut nichts, allerdings riecht es für ein paar Momente ein wenig verbrannt. Der Flap wurde wieder zurückgeklappt – er saugt sich dank des Unterdrucks im Auge selber fest – und die ganze Prozedur am rechten Auge wiederholt.

Nach nicht mal 104zehn! Minuten war ich wieder auf den Beinen und konnte mich im Ruheraum ein paar Minuten hinsetzen. Mein Sicht war etwas milchig und aufgrund der geweiteten Pupillen in der Nähe etwas unscharf, aber in die Weite konnte ich schon recht gut sehen – fast schon so wie bisher MIT Brille. Damit ich mir während des Schlafens nicht versehentlich in den Augen reibe erhielt ich noch „Augenklappen“5oder wie die professionell heissen mögen, die ich mir auf die Augen kleben konnte. Danach musste ich noch ein paar Fragen zum Tropfenplan klären, und schon war ich wieder „in Freiheit“ – keine 30 Minuten, nachdem ich den Laden betreten habe!

Bereits auf dem Weg zum Bahnhof erfreute ich mich an der Sehstärke und kam mir vor wie ein kleines Kind: „Hui, ich kann das Schild dort lesen! Und das dort auch! Und das! Und das!“. Auf dem Heimweg im Zug liess die Betäubung langsam nach, da stellten sich ein paar leichte Schmerzen ein und ich wurde etwas Lichtempfindlich. Dies gehört jedoch zu den erwarteten Nebenwirkungen. Daher dunkelte ich daheim alles ab, hörte ein paar Podcasts und ging zeitig schlafen.

Fazit zur Operation: Ich persönlich finde einen Zahnarztbesuch deutlich unangenehmer als dieser kurze Eingriff. Man spürt mit Ausnahme eines kleinen Druckgefühls beim Flap-Lasern absolut nichts. Aufgrund der Lautstärke der Lüftung und des Equipments musste man gut hinhören, um die Anweisungen der Ärztin richtig zu verstehen. Hier hat mir geholfen, dass ich im Vorfeld ein paar Videos über den Ablauf einer Femto-LASIK angesehen hatte und daher wusste, was in etwa auf mich zukommt.

Die erste Nachkontrolle

Die erste Nacht war etwas unruhig. Weniger wegen Schmerzen (hatte keine, nur so ein Fremdkörpergefühl), sondern weil ich extrem aufgedreht war. Die Augenklappen anzukleben war etwas fummelig, und am nächsten Tagen darf man sie dann wieder runterreissen – quasi ein Brazilian Waxing fürs Gesicht.

Die Sehschärfte schwankte noch ein wenig – das wird noch einige Zeit so sein, bis alles verheilt ist – aber im Grossen und Ganzen sah ich jetzt ohne Brille so gut wie vorher mit.

Die erste Nachkontrolle6Im Fachjargon „Post-OP LVC“ findet am Tag nach dem Eingriff statt, also tuckerte ich wieder gemütlich mit der Zentralbahn nach Luzern. Es folgte ein kurzer Sehtest, wo bescheinigt wurde, dass meine Sehkraft wieder 100 % ist. Per Mail erhielt ich eine augenärztliche Bestätigung, da ich im Führerschein dem Vermerk zum Brillentragen drin habe.

Jetzt hiess es erst mal, sich an den Tropfenplan halten: Stündlich Augentropfen zum befeuchten, und viermal täglich antibiotische Augentropfen, um Infektionen zu verhindern. Zudem nicht in den Augen reiben, die Augen nicht zu oft zusammenkneifen, beim Duschen aufpassen, und so weiter und so fort.

Die zweite Nachkontrolle

Eine Woche nach der OP war schon die zweite Nachkontrolle angesagt. Zuerst wurden – wie bei der Voruntersuchung – meine Augen überprüft, anschliessend ein Sehtest durchgeführt. Der Flap war genau dort, wo er sein sollte, und schon teilweise verheilt. Mit beiden Augen kam ich beim Sehtest auf 120 %, wobei das vor allem am linken Auge lag, mit dem ich schon sehr gut sehe. Das rechte kommt zwar auch auf 100 %, dort ist es aber schon ganz leicht verschwommen. Das sollte sich in den nächsten Monaten noch bessern.

Das Fremdkörpergefühl war noch nicht ganz weg. Es fühlte sich noch so an, als ob ich Linsen drin hätte.

Ab dem Zeitpunkt musste ich nur noch stündlich die Augentropfen für die Befeuchtung nehmen. Die antibiotischen fielen weg.

Die Zeit danach

Eine Woche nach der zweiten Nachkontrolle konnte ich die Augentropfen auf viermal täglich reduzieren. Im Alltag war das Fremdkörpergefühl verschwunden und ich sah auf beiden Augen schon fast gleich gut. Die Augen wurden jedoch am Abend recht schnell müde, so dass ich Autofahren bei Nacht bis nach dem Jahreswechsel möglichst vermied.

Je mehr Zeit verging, desto „natürlicher“ fühlte ich mich im Alltag. Die Sicht war teilweise etwas schwankend, insbesondere wenn ich müde war. Mal sah ich mit dem linken Auge schärfer, mal mit dem rechten. Aber es war immer in einem Bereich, in dem ich jederzeit sicher Auto fahren konnte.

Gemäss Tropfenplan war bis zum 60. Tag nach der OP 4x pro Tag Augentropfen angesagt. Drei Tage vor diesem Termin gingen meine Tropfen langsam zur Neige, daher habe ich die Dosis dann schon etwas reduziert und sie nur am Abend, wenn die Augen müde waren, genommen.

Februar 2024: Die Schlussuntersuchung

Juhuu, am 24. Februar 2024 stand endlich die Schlusskontrolle an. Dabei wurden wieder die gleichen Tests wie immer durchgeführt. Der Sehtest ergab eine Sehstärke von 120 % mit beiden Augen, und einzeln gemessen 110 % auf dem linken und 120 % auf dem rechten Auge. Ich erwähnte, dass die Augen vor allem gegen Abend schnell müde werden und austrocknen, daher empfahl die Ärztin, dass ich weiterhin die Lacyrcon-Augentropfen nehme, sobald ich die Trockenheit verspüre. Die Schlussuntersuchung dauerte nur knapp fünf Minuten.

Kosten

Für die Femto-LASIK bezahlte ich CHF 3’580.00 (CHF 1’790.00 pro Auge). Gemäss der Homepage sind die Preise aber inzwischen leicht gestiegen.

Im Preis inbegriffen sind Vor- und die Hauptuntersuchung, der eigentliche Eingriff sowie die nötigen Nachkontrollen, selbst nach der offiziellen Schlusskontrolle. Die Augentropfen müssen separat gekauft und bezahlt werden, was mich ca. CHF 120.00 gekostet hat.

Fazit

Der Eingriff hat sich für mich voll gelohnt. Das Leben ohne Brille oder Kontaktlinsen ist einfach merklich unkomplizierter. Ich würde jetzt nicht soweit gehen, dass mein Alltag dadurch komplett auf den Kopf gestellt wurde, aber für das bisschen Anstieg an Lebensqualität hat sich der finanzielle Aufwand auf jeden Fall gelohnt.

Vielen Dank fürs Lesen.

Pascal

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