Kino

Movie Review: „Cade: The Tortured Crossing“ (relativ spoilerfrei)

Oops, he did it again! Neil Breen ist zurück und beglückt uns sechs Jahre nach seinem letzten Meisterwerk mit weiteren 100 Minuten seines unfassbaren Filmgenies. Okay, das war fies… An sich muss man solche Leute ja bewundern, die um jeden Preis ihren Traum durchboxen. Ändert leider nichts daran, dass seine Machwerke durchgehend mies sind. But first things first…

Prepare for trouble… and make it double!

In Breens vorherigem Film, dem 2018er-Disasterpiece „Twisted Pair“, wagte er etwas Neues und gab sich selber eine Doppelrolle in Form der Zwillinge Cade und Cale! Die doppelte Ladung Neil zum gleichen Preis? Was für ein 1AlpTraum!

Mit seinem neusten Werk geht der bisher leider oscarunprämierte Produzent/Writer/Director/Actor/uvm. nun noch einen Schritt weiter und mimt das dynamische Duo zum zweiten Mal. Bei „Cade: The Tortured Crossing“ handelt es sich somit um einen direkten Nachfolger zu „Twisted Pair“, quasi der Start ins „Neil Breenematic Universe“ – NBU, wenn man so sagen will.

A Tortured Viewing

Beim Betrachten des Films wird relativ schnell klar: Unser favourite Tausendsassa hat in den letzten sechs Jahren ABSOLUT NICHTS Neues dazugelernt. Man findet wieder alle Ingredienzien, die man aus seinen vorherigen Werken kennt und liebt.

Er bringt es nicht mal hin, seine zwei Hauptcharaktere, die er ja schon im Vorgänger gespielt hat, gleich zu benennen:

Die Story ist erneut so wirr, dass vermutlich nur der Drehbuchautor sie wirklich versteht. In der Rolle von Cade – dem guten Twin – spendet Breen etwas Kohle an eine Irrenanstalt. Dabei entdeckt er, dass an den Patienten „genetische Experimente“2Hey, zumindest mal ein neues Buzzword für Breen, nach dem ganzen Superhacker-Bioweapon-Robot-Jesus-KI-VR-Gedöns aus den vorherigen Filmen durchgeführt werden – und sein böser Bruder Cale seinen voluminösen Bart im Spiel hat.

Auch das Acting ist auf dem üblichen Niveau. Komplett falsch betonte Sätze, zu lange und unangenehme Pausen zwischen den Zeilen – kennen wir alles. Natürlich werden auch viele der Dialoge schreiend vorgetragen. Und selbstverständlich – wie könnte es anders sein – bestehen viele Gespräche aus reiner Exposition, damit auch der letzte Zuschauer weiss, wer denn nun die Bösen und Korrupten sind.

Nachvollziehbar handelnde Charaktere? Fehlanzeige. Beispiel: Die zwei Frau Doktorinnen Megan und Megan3Ja, heissen beide Megan. Sehr kreativ verunfallen bei einem Road Trip mit ihren Schützlingen in der Pampa. Zufälligerweise ist Cade in der Nähe, der sie zu sich nach Hause einlädt. Die zwei Megans, die Cade wenige Szenen zuvor bei einer Gala getroffen haben, kennen ihn aber plötzlich nicht mehr und trauen ihm daher nicht über den Weg. Begleiten tun sie ihn trotzdem, und sie sind dann sogar endlos begeistert von seiner Hütte4Bei welcher es sich um das Schloss Bran in Rumänien handelt… Neil muss sich hier gedacht haben: „Hey, Bran klingt wie Breen, das ist ein Zeichen Gottes!“.

Continuity ist weiterhin ein Fremdwort für Breen, Szenen werden oft wahllos aneinandergereiht oder wiederholen sich sinnlos, es tauchen aus dem Nichts Charaktere auf, die vorher – in der gleichen Szene – nicht da waren, dafür verschwinden andere spurlos5Stichwort: Autounfall in der Pampa. Oder eine Figur wird als Mitarbeiter der Jugendbehörde eingeführt, ist dann aber später plötzlich Detective.

Wie es sich für jedes Eitelkeitsprojekt gehört, darf sich unser alternder Held natürlich auch eine hübsche junge Lady angeln. Da es zwei weibliche Leads gibt, hat er hier die Auswahl zwischen der optisch eher durchschnittlichen, dunkelhaarigen Dr. Megan, oder der sexy, stark geschminkten, im kurzen-Kleid-und-High-Heels-auf-der-Party-rumstehenden, blonden Dr. Megan. Take a guess, which one he picks…

Aber es gibt auch was Frisches: Neil hat sich die Kosten gespart, die so anfallen, wenn man in der Wüste oder mitten in Las Vegas filmt. 98 % des Filmes besteht aus Aufnahmen vor einem Green Screen mit irgendwelchen Stock-Footage-Bildern. Dadurch verschlägt es unsere Charaktere mal nach Portugal und Amsterdam, nur um in der nächsten Szene in den österreichischen Alpen aufzutauchen. Ich konnte KEINE EINZELNE Szene entdecken, die von Breen selbst gedreht wurde. Das Footage passt natürlich oft überhaupt nicht zur Szenerie, zum Beispiel wenn Cade in einem luxuriösen Anwesen auf einer edlen Treppe mit rotem Teppich steht und eine Rede hält, die im Reaction-Shot zu sehenden, applaudierende Meute aber in einer dunklen Eventhalle sitzt.

Die restlichen 2 % verteilen sich auf die übrige Verwendung von Stock-Footage-Material (ohne Schauspieler) und – auch das ist neu – CGI in PS1-Qualität!

Der Vorteil am ganzen Green-Gescreene: Zum ersten Mal in der Breen’schen Filmgeschichte ist das Audio einigermassen verständlich6Also das meine ich vom akustischen Standpunkt her… Inhaltlich ist’s so konfus wie eh und je. Da der übliche Background-Noise wie Autoverkehr wegfällt, VERSTEHT man in der Regel, was die Leute für einen Schwachsinn vor sich hinbrabbeln7Ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selber entscheiden.

Die Kehrseite der Medaille: Die Stimmen werden immer von einem klaren Hall begleitet, als ob sie in einem stark gefliesten Badezimmer aufgenommen wurden. Das fällt besonders auf, wenn Breen mal wieder mitten im Dialog einen Reaction-Shot des Gegenübers zeigt, bei diesem jedoch die Tonspur komplett fehlt.

Generell zum Thema Sound: Die Hintergrundmusik in den bisherigen Disasterbreens hielt sich dezent zurück, zumindest fiel mir keines der Stücke negativ auf. Hier aber nervt mich der Score immens. Das Gedudel soll wohl eine gewisse Fantasy-/Mystery-Atmosphäre erzeugen, ist aber zu laut und drängt sich einfach zu sehr in den Vordergrund.

Da Breen noch immer keine sauberen Übergänge hinkriegt, enden viele Szenen damit, dass die Bewegung auf dem Bild einfriert, der Ton aussetzt und das Ganze dann eine Sekunde so verweilt, bis die nächste Szene startet. Ich hatte zuerst das Gefühl, dass mit dem DVD-Rip oder meinem Plex-Server was nicht stimmt.

Ich habe oben ja CGI erwähnt. Natürlich hat Breen schon in der Vergangenheit getrickst. Das bestand jedoch hauptsächlich irgendwelchen Effekten8Explosionen, Filter, etc., die über das Bild gelegt wurden, oder Charaktere, die sich in Luft auflösen. Amateur Stuff halt. Heuer geht The Neil aber einen Schritt weiter und prügelt sich auf einer schönen, grünen Austrian-Stock-Footage-Weide mit einem weissen CGI-Tiger, der aus einem der früheren Tomb-Raider-Spiele9Playstation 1-Ära, so Mitte/Ende der 90er. Aber hey, immerhin ist der Tiger ein richtiges 3D-Modell, und nicht nur ein 2D-GIF wie die Vögel in „Birdemic“! stammen könnte10Ich krieg jetzt irgendwie Lust auf die Tomb-Raider-Remastered-Collection…. Dass der ganze Fight zwischen Breen und der Katze absolut lächerlich inszeniert ist, macht die Sache auch nicht besser, dafür umso amüsanter.

Wo wir gerade beim Thema „Kämpfen“ sind: Cade prügelt sich nicht nur mit der österreichischen Fauna, sondern auch mit allerlei menschlichem Gesocks. Aber weil so ne Stuntchoreo ja Geld kostet, dreht Breen natürlich auf die billigstmögliche Weise: Jeder Kämpfer wird einzeln gefilmt und die Szenen dann übereinandergelegt. Und ich muss zugeben: Das sieht dermassen BESCHEUERT aus, dass ich es einfach nicht in Worte fassen kann. Ich habe vor Lachen fast Muskelkater gekriegt.

Hach, ich könnte noch stundenlang weiterschreiben und unzählige Szenen bis ins Detail schildern11Oh Gott, die Pantomimen-Kids im Auto, die überlange Fahrt im Ferrari, der Typ, der auf dem Keyboard herumklimpert, der Sound dazu aber völlig desynced ist… So! Much! Wrong!, aber der Text ist jetzt schon doppelt so lang wie geplant. Daher zum Schluss ein kurzes…

Fazit

„Cade: The Tortellini Croissant“ (wenn ihr noch mehr bescheuerte Wortspiele wollt, check out my Review auf Letterboxd: https://letterboxd.com/gagei/film/cade-the-tortured-crossing/) ist ein typischer Breen-Film mit WTF-Momenten im Minutentakt. So weit, so normal. Dem Fass den Boden ausgeschlagen haben aber vor allem zwei Szenen: Eine Musiknummer nach gut einer Stunde12Hat Neil vielleicht TikTok entdeckt?, und das epische Final-Battle, der Showdown, das „Grande Breenale“, bei dem ich vor Lachen fast an meinen Snacks erstickt bin. Avengers: Endgame stinkt dagegen völlig ab!!!

Ob wir die Gaudi dieses Jahr auch mal auf der grossen Leinwand erleben dürfen? Wie Rudi Carrell schon sang: Lass dich überraschen! 😉

Aber falls du nicht warten und dich schon spoilern lassen willst: HIER gibt es ein tolles Video von Space Ice, das die „Handlung“ grob zusammenfasst.

Aber bis es soweit ist, hebet Sorg. Und wer’s bis hierhin geschafft hat: Danke fürs Lesen!

Pascal

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