Kino

KMG-Worst-Night „Surprise Movie“

Nach einer viel zu langen Sommerpause (3.5 Monate!!! Ronny, pleeaaaase!!!) zeigt die Kultmoviegang endlich wieder eine richtige Best-Worst-Perle. Besser noch: Es ist Suprise-Worst-Night!

Vorab: Ich sehe mich nicht als Filmreviewer. So gern ich meine Zeit im Kino verbringe, fehlt mir doch das filmtechnische Know-How, um subjektive Bewertungen abzugeben. Entweder fühle ich mich unterhalten, oder eben nicht. Seht daher den folgenden Text nicht als „Filmkritik“, sondern als Erfahrungsbericht.

„Who was that guy?“

Der Grund, dass der Abend als Surprise-Worst-Night durchgeführt wird, dürfte sein, dass der Writer-Producer-Hauptdarsteller-Kameramann-Schnittmensch-Caterer-etc. (jep, all the same guy) so überzeugt ist, seine Filme wären göttliche Meisterwerke, und dementsprechend nicht will, dass sie durch den Kakao gezogen werden. Daher werde ich einige Namen und Filmtitel in diesem Text anonymisieren: Alles, was in „kursiv in Gänsefüsschen“ steht, ist ein Fantasiename. Aber gewiefte Kenner erkennen schon, wer oder was gemeint ist.

Man kann dieses gottgleiche Genie – nennen wir es mal Narzisstico Bravissimo – in einem Satz mit Steven Spielberg, Stanley Kubrick, Alfred Hitchcock oder Martin Scorsese nennen – sollte zuvor aber erst sein Testament machen, denn der wütende Lynchmob mit Fackeln und Mistgabeln wird nicht lange auf sich warten lassen. Daher bieten sich eher Vergleiche mit „Thomas Vogel“, „James Ngutenmorgen“ oder – für die älteren unter euch – „Eduard Holz“ an, deren Filmkunst bereits bei der Kultmoviegang zu Gast war.

Weck‘ den Tiger in dir!

Aber nun zum Plot. Sofern man das so nennen kann. So richtig folgen konnte ich nicht. Oder um es mit den Worten des jungen Astrologenboys am Anfang zu erklären: ‚I’m following it… I lost it!‘.

Kleiner Fun-Fact zu Beginn: Die Schauspieler sind im Abspann ‚in order of appearance‘ sortiert. NB setzt sich hier an 1. Stelle, gefolgt vom Tiger. Dass der B-Man erst nach gut 4 Minuten seinen ersten Auftritt hat – nach dem Tiger, den Menschenschmugglern und den Astrologiekids – scheint ihn nicht zu interessieren.

Mit meinem laienhaften Auge kann ich drei Handlungsstränge ausmachen, die parallel zueinander laufen und sich vereinzelt überschneiden:

  • Künstliche Intelligenz aus der Zukunft löscht alle bösen Menschen aus
  • Menschenschmuggler schmuggeln Menschen über die Grenze nach US of A
  • Astrologiekiddies forschen mit ihrem Professor einem Aliensignal hinterher

Handlungsstrang 1: Step aside Skynet, we have a new AI in da house

Aber jetzt endlich zu Mr. NoBalls (ja, Fans seiner anderen Werke müssen jetzt stark sein: In diesem Film zeigt er seine Klöten ausnahmsweise nicht) erstem Auftritt: Als vorerst namenlosen Drogenabhängiger in der Wüste wird er von einem der Menschenschmuggler bezahlt, weil er… ja was denn eigentlich macht? I have NO idea! Sein ‚Payment‘ ist ein Beutelchen mit einem weissen Pulver (Mehl? Salz? Zucker? I have no idea!), welches er sich in eine Spritze zieht (??) und es sich dann auf den Arm tröpfelt (???). Dadurch wird er wohl etwas schläfrig und kippt um. Ich vermute, dass ist der Zeitpunkt, an dem sein Körper von einer ‚artificial intelligence from far into the future‘ übernommen wird.

Drogi kann sich nun teleportieren, dramatisch in die Ferne starren und sogar mit einem Stock-Footage-Tiger flirten (der so professionell in die Szene eingefügt ist, dass man im Hintergrund sogar Schnee sieht, obwohl der Film in der Wüste spielt). Dieser spannende Alltag wird unterbrochen, als ihm zwei Damen (Tante/Nichte) über den Weg laufen, die von den Menschenschmugglern aus Handlungsstrang 2 fliehen. Da er einen Namen braucht, lässt er sich vom herumliegenden Müll inspirieren… ‚The Usual Suspects‘ lässt grüssen…

Durch eine Nachrichtensendung lernen wir, dass weltweit viele böse Menschen einfach so verschwinden. Natürlich hat Möchtegern-Kayer-Söze seine Finger da im Spiel, und die nächsten Filmminuten sehen wir dabei zu, wie er Menschenschmuggler, böse Banker, Nachrichtensprecher und Politiker einfach so in Luft auflöst. Wobei er ein paar davon einfach mitsamt Villa in die Luft jagt. Wieso er das macht? I have NOO idea! (Vielleicht wollte er mal angeben, wie effektvoll er sowas inszenieren kann… Take that, Christopher Nolan!). Woher wir überhaupt wissen, wieso die Banker, Politiker & Co. böse sind? Weil sie in typischer „B“-Movie Manier (pun inteded) herumstehen und sich gegenseitig erzählen, wie sie das gemeine Volk an der Nase herumführen. So wie echte Bad Guys das halt so machen.

Zwischendrin sieht man Mr. Alien-AI-Robot-Jesus auch mal in einem Steinkreis/-Zirkel/-Dings stehen, die Arme ausstrecken und sich im Kreis drehen. Wieso er das macht? Will er nach Hause telefonieren, einfach nur Helikopter spielen oder findet er den Weg nicht mehr raus? I have NOOOOOO idea!

So, keine Angst, dieser Handlungsstrang ist bald zu Ende: Eine der beiden Damen wird vermisst, aber relativ schnell in einer Höhle unversehrt gefunden. Zusammen mit einem Typen, der PTSD hat, aber natürlich von unserem Überwesen im Nu geheilt wird. Nun taucht auch noch der gewalttätige Ex der anderen Dame auf und knallt beide ab. Selbstverständlich kann unser Held aber auch Tote wieder zum Leben erwecken und den Ex dazu bringen, sich selber eine Kugel in den Kopf zu jagen. Und nach einem letzten Tiger-Flirt und ein wenig mehr esoterischem Geschwafel verabschiedet sich Mr. Nut-Brain dann von der Erde. F*cking finally!

Handlungsstrang 2: Welcome to the U S of f*cking A

Der zweite „grosse“ Handlungsstrang folgt den Kriminellen, die eine Gruppe hilfsbedürftiger Menschen in die US of A einschleusen will. Da der Film in Nevada spielt, soll das wohl die Mexiko/US-Grenze sein. Allerdings sieht die Hälfte der Menschen nicht so aus, als ob sie aus Mexiko oder einem sonstigen lateinamerikanischen Land stammt, und reden tun sie in der Regel auch wie der amerikanische Durchschnittsteenie. Wenn das mal nicht ‚Diverse Casting‘ ist!

Der Grenzzaun ist im Nu umgestossen, dank der fleissigen Vorarbeit eines Gangsters, der sich mit dem Bunsenbrenner daran zu schaffen gemacht hat. Wobei die Flamme des Bunsenbrenners CGI war. Wieso? War eine echte Flamme zu gefährlich? I have NOOO IIIDEEEAAAA!

Ennet der Grenze stellt sich aber heraus, dass die bösen, bösen Ganoven die Leute nicht einfach so gehen lassen wollen. Besonders die Schmuggler-Oberchefin, die jede (wirklich JEDE! J! E! D! E!) ihrer Zeilen SCHREIT wie von der Tarantel gestochen, macht klar: ‚YOU! BELONG! TO! ME!‘. Und um zu zeigen, wie böse sie ist, knallt sie auch mal gleich eine Oma und ihren Enkel ab. Wunderbar zu sehen, wie viel Wert NosBeratu auf Continuity legt, hält die Gangsta-Momma doch ihre billige Toy-HK53 je nach Aufnahme mal in der linken, mal in der rechten Hand.

Im Tumult fliehen zwei der Damen (siehe Handlungsstrang 1), wobei sie dann in der darauffolgenden Szene trotzdem in einen LKW verladen werden, worauf sie dann in der Folgeszene doch wieder zu Fuss in der Wüste unterwegs sind. Wot??

Irgendwann taucht dann unser AI-Hero auf, faded die Ganoven weg, befreit die unschuldigen, illegalen Immigranten und holt Dead-Granny samt Enkel wieder aus dem Reich der Toten zurück.

Handlungsstrang 3: Astroteens and Professor Wheelie

Der letzte Handlungsstrang nimmt am wenigsten Zeit in Anspruch, hat so ziemlich keinen Einfluss auf den Plot und ist vermutlich nur drin, damit der Film auf die 90 Minuten Laufzeit kommt. Drei Teenies forschen nach einem Aliensignal in der Wüste und schleppen ihren (Totkranken? Normal kranken? Keine Ahnung, jedenfalls ist er bettlägrig und auf eine Sauerstoffflasche angewiesen) Professor mitsamt Rollstuhl in die Wüste. Als sie Mr. Natural Beauty dann aufspüren, kriegen sie irgendwelche Glitzersteine, damit sie beweisen können, wirklich ein Alien getroffen zu haben.

Fazit

That’s it! Im Abspann wird dann nochmals kräftig applaudiert. Dem geneigten NB-Watcher dürfte aufgefallen sein, dass diverse Props schon in seinen älteren Werken aufgetaucht sind, so z. B. die seine Billig-SG550 mit falsch angebrachtem Korn und die Plastik-Glocks aus so ziemlich allen bisherigen NB-Werken, die Sauerstofflasche aus „Verhängnisvolle Erkenntnisse“, oder seine ordensgeschmückte Jeansweste und das mit Panzertape umwickelte Drogenpaket aus „Triple Up“.

Es war mal wieder eine lustige Worst Night. Ob ich mich davon erholen werde? I have no idea!

Danke für’s Lesen.

Pascal

About Pascal