Was ist besser, als einen alten Kultfilm im Kino zu sehen? Gleich 22 alte Kultfilme im Kino zu sehen! Vom 6. bis 9. März 2025 fand im CinéClub in Bern die dritte Ausgabe des Kult-Attack Film Festivals (KAFF) statt. Nachdem in den vorherigen zwei Jahren die 80er– und 90er-Jahre besucht wurden, folgte das OK dem einen wahren Zeitstrahl und verwöhnte uns mit einem abwechslungsreichen Programm aus Kultfilmen der 2000er-Jahre:
Auch ich pilgerte die vollen vier Tage in die Bundesstadt und sass mir zu Ogern, Terrorclowns, Glitzervampiren & Co. den Hintern wund. Nachfolgend meine Eindrücke, wobei ich jeweils meine Letterboxd-Bewertung (1 – 5 Sterne) aufliste:
Donnerstag, 6. März 2025
Shrek (2001)
Der Oger Shrek lebt alleine und glücklich in seinem Sumpf, bis ein Haufen gejagter Fabelwesen Asyl bei ihm suchen. Um die ungebetenen Gäste wieder loszuwerden, muss er für den fiesen Lord Farquaad eine Prinzessin aus einem Turm befreien. Gesagt, getan, doch auf dem Rückweg wächst ihm die zuerst nervende Fiona ans Herz.
Gestartet wurde das Festival mit einem Wunschfilm, für den die Community vorgängig Vorschläge einreichen konnte und die in einem mehrstufigen „Play-Off“-Abstimmungskampf gegeneinander antraten. Der Animationsfilm um den titelgebenden Oger machte das Rennen und bietet sympathische Figuren, Musik zum mitsingen und so manchen Seitenhieb gegen Disney sowie Märchen im Allgemeinen. Ein Gute-Laune-Film und toller Start ins Festival!
Bewertung: 4.5 von 5
Zoolander (2001)
Derek Zoolander war das angesagteste Männermodel der Welt, wurde aber vom jüngeren Konkurrenten Hansel deklassiert. Tief in einer Sinnkrise steckend wird er leichtes Ziel für die Modebranche, die seine Einfältigkeit ausnutzt, um ihn via Gehirnwäsche zum Killer zu formen. Sein Ziel: Der neue Präsident von Malaysia, der neue Gesetze gegen die Kinderarbeit schaffen will, was der Modebranche so gar nicht mundet.
Die Komödie von und mit Ben Stiller mischt Klamauk mit bissiger Satire gegen die Modewelt. Auch wenn nicht alle Gags zünden, macht der Film mit seinem gut aufgelegten Cast und den unzähligen Cameos viel Spass.
Bewertung: 4 von 5
District 9 (2009)
Beim titelgebenden 9. Distrikt handelt es sich um ein Slum in Johannesburg, das von Aliens bewohnt wird, die vor knapp 20 Jahren auf der Erde strandeten. Weil die Nähe zwischen Aliens und Menschen zu immer mehr Konflikten führt, sollen die ungebetenen Gäste in ein neues Flüchtlingslager zwangsumgesiedelt werden. Geleitet wird die Aktion von Wikus, der allerdings einer ausserirdischen Substanz ausgesetzt wird, die ihn allmählich in ein Alien verwandelt. Nun von seinem eigenen Arbeitgeber gejagt, wird er selber zum Flüchtling.
Der dystopische Sci-Fi-Streifen mit Body-Horror-Elementen ist sehr sozialkritisch und bietet tolle Effekte, dreht zum Schluss aber die Actionschraube etwas zu stark an und irritiert mit einem nervtötenden Protagonisten. Zudem ging mir das ständige wackeln der Kamera relativ bald auf den Zeiger.
Bewertung: 2.5 von 5
Snatch (2000)
Als bei einem Überfall auf einen Juwelier ein hochkarätiger Diamant gestohlen wird, versuchen mehrere Gruppierungen, diesen in die Finger zu kriegen.
Guy Ritchie’s rasante Gangsterkomödie bietet mehrere saukomische Handlungsstränge, leidet aber an etwas zu viel Narration aus dem Off. Viel zu Lachen gab es trotzdem.
Bewertung: 3.5 von 5
Inglorious Basterds (2009)
Eine kleine Truppe jüdischer US-Soldaten macht während des 2. Weltkriegs in Frankreich Jagd auf Nazis, während ein SS-Oberst erfolgreich versteckte Juden aufspürt.
Ich bin zugegeben kein grosser Tarantino-Fan. Die Dialoge, obwohl sicher ganz gut geschrieben, sind mir einfach zu ausufernd und machen den Film länger, als er sein muss. Und wenn ich hirnlose Gewaltexzesse sehen will, schaue ich etwas, das besser inszeniert ist. Was den Film aber sehenswert macht ist die oscarprämierte Leistung von Christoph Waltz.
Bewertung: 3 von 5
The Descent (2005)
Eine Gruppe befreundeter Frauen begeben sich auf eine Höhlentour. Als ein Tunnel einstürzt, ist der einzige bekannte Ausweg abgeschnitten. Zudem stellt sich heraus, dass sie nicht alleine im dunklen Tunnelsystem sind.
Der spannende Horrorfilm überrascht in der ersten Hälfte mit psychologischem Horror ohne Monster, bei dem man die klaustrophobische Enge der Tunnelsysteme richtig spürt. Als die Monster auftauchen driftet der Film leider etwas zu stark in die üblichen Horrorklischees ab und bietet dumm agierende, dauerkreischende Charaktere und billige Jumpscares am Laufmeter.
Bewertung: 3.5 von 5
Freitag, 7. März 2025
Before Sunset (2004)
Neun Jahre nach ihrer schicksalshaften Begegnung in Wien treffen Celine und Jesse in Paris erneut aufeinander. Und wieder bleibt nur wenig Zeit, bis Jesse weiterziehen muss.
„Before Sunset“ war am letzten Festival eine meiner Überraschungen, der Nachfolger steht dem in nichts nach. Nüchtern betrachtet schaut man 80 Minuten lang zwei Menschen beim Reden zu, ansonsten passiert nichts. Aber Celine und Jesse sind sympathisch und charmant, die Chemie zwischen den beiden ist klasse, die Dialoge authentisch, ehrlich, tiefgründig. Zudem spielt der Film in Echtzeit, er wirkt dadurch „wie aus einem Guss“ und bietet teils seeeehr lange Takes. Übrigens: Die komplette „Before…“-Trilogie läuft am 23. März 2025 in Luzern. Ich werde mir wenn möglich den dritten Teil dann auch noch reinziehen.
Bewertung: 4.5 von 5 (ursprünglich 3.5, aber während ich das hier Schreibe und den Film nochmals Revue passieren lasse, muss ich einfach aufwerten)
Children of Men (2006)
In der fernen, dystopischen Zukunft des Jahres 2027 liegt die Menschheit im Sterben, da seit über 18 Jahren keine neuen Kinder mehr geboren wurden. Als wie durch ein Wunder eine Frau schwanger wird, muss der Regierungsbeamte Theo diese wider Willen beschützen und in Sicherheit bringen, da mehrere Gruppierungen diese in die Hände kriegen wollen.
Erst einmal das Positive: Der dreckige Look und die langen Einstellungen. Ansonsten hat mich der Film erstaunlich kalt gelassen, auch wenn ich nicht genau definieren kann, wieso. Clive Owen spielt hier an sich den gleichen coolen, abgebrühten Charaktertypen wie z. B. in „Shoot’em Up“ und „Inside Man“, aber während ich die zwei anderen Filme liebe, nervt sein depressives Getue hier mehr.
Bewertung: 2.5 von 5
V for Vendetta (2005)
Gleich nochmal Dystopie, gleich nochmals England: Das Land wird durch Ultranationalisten regiert, die unerwünschte Menschen wie Ausländer, Homosexuelle, und generell Andersdenkende inhaftiert und exekutiert. Der maskierte V stellt sich dem entgegen und erhält Hilfe von der jungen Evey.
Ein stylischer Rachethriller mit teils gut choreographierten Kämpfen, der aber gerne 30 Minuten kürzer sein dürfte.
Bewertung: 3 von 5
Twilight (2008)
Teeniegirl zieht in ein Kaff an der US-Nordwestküste und trifft auf Vampire.
Ich kenne die Memes, ich kenne die Pitch-Meetings von Ryan George (unbedingt, unbedingt, unbedingt anschauen, es sei denn, ihr seid absolute Fans des Films), aber ich gebe zu, die Filme selber habe ich nie gesehen. Das macht es schwierig, den Film unvoreingenommen anzusehen und zu bewerten, zumal ich definitiv nicht zur Zielgruppe gehöre. Unterhalten wurde ich definitiv, nur auf eine andere Art als beabsichtigt #worstmovie
Bewertung: 3 von 5
No Country for Old Men (2007)
Neo-Western um einen Koffer voller Geld und einem Auftragskiller, der auf der Suche nach jenem eine blutige Spur hinterlässt.
Mehrheitlich langweilig von Anfang bis Ende.
Bewertung: 1.5 von 5
Oldboy (2003)
Familienvater wird entführt und 15 Jahre eingesperrt. Nachdem er freigelassen wird, beginnt er einen Rachefeldzug gegen die Verantwortlichen.
Teils ein wenig weird und verwirrend, bietet aber wohldosierte Action, Blut und eine Prise Humor.
Bewertung: 4 von 5
Samstag, 8. März 2025
Coffee and Cigarettes (2003)
In schwarz-weiss gedrehter 11-teiliger Episodenfilm.
Auch wenn man hier nur Menschen beim Herumsitzen, Rauchen, Kaffeetrinken und Reden beobachtet, sind einige der Episoden sehr amüsant.
Bewertung: 3 von 5
Hot Fuzz (2007)
Sgt. Angel ist Polizist in London, wird aber ins ruhige Sandford versetzt, weil er seine Kollegen immer schlecht aussehen lässt. Das Kaff mit der niedrigsten Kriminalitätsrate Englands zeigt sich aber bald von seiner bösen Seite.
Was für ein Hit! Schwarzer Humor, ein toll harmonierendes Schauspielduo und viel Action. Zwischendurch wird das Tempo etwas gar zurückgefahren, aber dafür entschädigt der Film mit einem überbordenden Finale.
Bewertung: 4.5 von 5
In Bruges (2008)
Zwei Auftragskiller werden nach Brügge gesendet und müssen dort auf Anweisungen ihres Chefs warten. Während Ken die Stadt liebt, möchte Ray am Liebsten sofort wieder verschwinden.
Mein Überraschungshit des Festivals! Die Gangsterkomödie findet eine gute Balance zwischen Komik und ernsteren Momenten. Colin Farrell und Ralph Fiennes sind einfach eine Wucht.
Bewertung: 4.5 von 5
The Dark Knight (2008)
Der Joker versetzt Gotham in Angst und Schrecken, während Batman das Schlimmste zu verhindern versucht.
Rein handwerklich habe ich nichts auszusetzen, und ich will dem Film auch eine gewisse Grundspannung nicht absprechen. Aber dafür, dass sich alles um einen Typen dreht, der im Faschingskostüm einen Clown verprügelt, nimmt sich der Film zu ernst. Heath Ledgers Performance ist klasse, aber die Figur des Jokers selber einfach nicht interessant. Seine ganzen Pläne basieren auf purem Zufall, darauf, dass sich Dinge ereignen, die er nicht 100 % voraussagen kann, trotzdem klappt immer alles, because „Movie Logic“. Wäre das ein dummer, bunter Superheldenfilm à la Marvel, dass könnte man darüber hinwegsehen. Aber da der Film einen auf dark, gritty and serious macht, springen die ganzen Logiklöcher einfach ins Auge und verderben den Spass.
Bewertung: 3 von 5
Sin City (2005)
Neo-Noir-Episodenfilm um das Leben in einer brutalen Grossstadt (nein, nicht Zürich).
Hat ausser extrem stylischen Visuals und Gore nicht viel zu bieten. Ich fand ihn jetzt nicht komplett „langweilig“, aber die ständige Narration nervt mit der Zeit. Wenn ich im Kino bin, will ich einen Film sehen, kein Hörbuch hören.
Bewertung: 2 von 5
The Cell (2000)
Psychologin dringt mittels moderner Technik in den Verstand eines komatösen Serienkillers ein, um herauszufinden, wo er das letzte Opfer gefangen hält.
Einigermassen spannend, verlässt sich aber zu sehr auf die opulente Szenerie.
Bewertung: 2.5 von 5
Sonntag, 9. März 2025
(500) Days of Summer (2009)
Geschichte eines jungen Mannes, der sich in eine Frau verliebt, es jedoch nicht ertragen kann, dass sie eine andere Sicht auf Liebe und Romantik hat.
Die RomCom ist witzig und originell erzählt, fokussiert sich aber leider nur auf Tom und seinem „verdisneyfizierten“ Bild von Liebe, während Summer hier als wankelmütig dargestellt wird. Eine, die nicht wirklich weiss, was sie will: Erst will sie nichts Ernstes, lässt sich später doch drauf ein, serviert Tom aber wieder ab, weil ihr das Beziehungsleben doch nicht liegt, nur um kurz darauf einen anderen zu heiraten.
Bewertung: 3.5 von 5
Little Miss Sunshine (2006)
Familie unternimmt einen Roadtrip in einem alten VW-Bus, damit die Jüngste an einen Schönheitswettbewerb kann.
Wünderschön, tragisch und komisch zu gleich, da wurden sogar mir die Augen feucht. Der Cast ist der Hammer, insbesondere Abigail Breslin und Alan Arkin.
Bewertung: 5 von 5
The Beach (2000)
Rucksacktourist findet in Thailand das Paradies in Form eines versteckten Strandes, bringt die Idylle aber durch sein Verhalten in Gefahr.
Leo spielt hier Richard, den unsympathischen, arroganten Backpacker aus den US of fucking A, der alles besser weiss und kann. Das Herz der (vergebenen) Reisepartnerin erobern? Kein Problem, sie verfällt ihm beim ersten Anblick, weil er so sexy ist. Die versteckte Kommune (die seit sechs Jahren besteht) weiss nicht, wie man bei Starkregen einen Hai fängt? Kein Problem, Mr. USA ist da und zeigt, wie es geht. Richard soll als Strafe auf einem Hügel nach weiteren unerwünschten Ankömmlingen ausschaut halten? Pfff, nicht mit mir, I am from ‚murica und mache, was ich will. Nichts, was Richard verbockt, hat Konsequenzen für ihn selbst.
Bewertung: 2 von 5
Amélie (2001)
Eine bezaubernde Geschichte über eine junge Frau, die sich entschließt, das Leben der Menschen um sie herum auf liebevolle und geheimnisvolle Weise zu verändern, während sie gleichzeitig ihre eigene Suche nach Glück und Liebe beginnt.
Eine rührende Komödie mit einer höchstsympathischen Protagonistin und toller Musik, die ans Herz geht. Würde ich sogar als „Feel-Good-Movie“ bezeichnen. Da mein französisch recht eingeschränkt ist, habe ich sicher nicht alles verstanden, daher muss ich den demnächst mal noch auf deutsch nachholen.
Bewertung: 4 von 5
Fazit
Die vier Tage vergingen wieder viel zu schnell. Leider gab es am Ende kein Karaoke wie in den Vorjahren, aber es ist logisch, dass man das Programm nicht danach gestalten kann, dass es mit einem Film endet, der einen bekannten Song enthält. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr, wo es dann in die 70er-Jahre geht.
Statistik
Das waren nun 22 Filme mit einer Laufzeit von 2’468 Minuten, was 41.13 Stunden oder 1.71 Tagen entspricht.
Ich habe mir auch mal eine kleine finanzielle Statistik erstellt, da so ein Festival auch Geld kostet. Die folgenden Ausgaben hatte ich während der vier Festivaltage – das heisst, Kosten für den Pass und das Hotel sind hier noch nicht inbegriffen. Zudem habe ich meine Freundin natürlich auch mal ab und zu eingeladen:
Zusätzliche Kinotickets für meine Freundin und Begleitung: CHF 80.00
Kauf von KMG- und KAFF-Merch sowie Tombolalosen: CHF 170.00
Verpflegung (Mittag und Abend): CHF 129.20
Snacks von der Kinobar: CHF 83.70
Parkkosten Parking City West: CHF 144.40
Total CHF 607.30
… und ich bereue keinen Rappen 🙂
Bye Bye
Man sieht sich hoffentlich am nächsten KAFF
Pascal
