Kino

KMG-Worst-Nights: Get on the Even Road to Revenge with Champagne and Bullets

Freitagabend, wieder mal Worst Night angesagt. Die drittletzte in diesem Jahr. Welche Perle uns wohl heute erwartete?

Foyerspiel

Wie vor jeder Worst-Night wurde vor dem Film im Foyer ein kleines Spiel durchgeführt. Meine erste Teilnahme an einem solchen Game war im Sommer 2022, als mir einfach ein Blatt in die Finger gedrückt wurde, auf dem ich alle Kommata richtig setzen musste. Ich habe NULL Ahnung von Kommaregeln und mache das im Alltag rein nach Bauchgefühl. Gewonnen hab‘ ich das Ding dann trotzdem 😉

Ab Anfang 2023 habe ich mich dann freiwillig an den Miniwettbewerben beteiligt, landete allerdings immer im hinteren Tabellenbereich, da es sich eher um Geschicklichkeitsspiele handelte. Heute wartete ein Quiz, also eher was Richtung „Wissen“, also malte ich mir wieder etwas mehr Chancen aus1. Die – zufällig, ich schwör! – ausgewählte Kategorie war dann „English“. Und da mein Englisch „not from bad parents“ ist (im Gegensatz zu meinen Bildbearbeitungsskills, welche „under all pig“ sind, wie ihr weiter unten sehen werdet), räumte ich mal eben 10 von 10 Punkten ab, Platz 1, Sieger, Weltmeister, Champion, Olé! *StandingOvations*

A little bit of Narcissism in my life…

Weil’s vor dem Film ein Quiz gab, hier eine kleine Rätselfrage:

Was haben Tommy Wiseau, Neil Breen und John de Hart gemeinsam?

  1. Keinerlei Talent in Sachen Drehbuch, Regie oder Schauspielerei, was sie nicht davon abhält, all diese Jobs in ihren Filmen trotzdem zu übernehmen.
  2. Allesamt nicht sehr attraktiv, werden aber in den Filmen trotzdem von den Frauen angeschmachtet wie Romeo und dürfen ungehemmt knutschen und fummeln. Und die Damen haben sichtbar Spass dabei! (not)
  3. Der von ihnen verkörperte Hauptcharakter ist in jedem Fall ein Bad Ass oder Superagent oder Terminator-Robot-Jesus, oder zumindest der „nette“ Typ, der von anderen verarscht wird. Auf keinen Fall hat die Figur charakterliche Schwächen, die er überwinden müsste.

Ok, das war eine Fangfrage, alles obige trifft zu… Vermutlich könnte man sogar noch James Nguyen hier reinnehmen, aber immerhin beschränkt der sich auf die Arbeit HINTER der Kamera und verschont uns – mit Ausnahme kleiner Nebenrollen – vor seinen Actingskills. Aber nun zum Film…

Filmische Identitätskrise

Der heutige Film hatte im Lauf der Jahre ein paar Identitätskrisen und wurde unter mehreren Namen bekannt. Jede Version mit anderer Länge, da teils Szenen entfernt oder wieder eingefügt wurden:

  • Champagne and Bullets
  • Road to Revenge
  • GETEVEN

„Unsere“ Version heute ist letztere, GETEVEN, ohne Leerschlag. Und ich versuche jetzt mal, die erinnerungswürdigsten Momente zu rekapitulieren…

Dreh- und Angelpunkt der Story ist Rick Bode, ein knallharter LAPD-Cop. Rick sieht so ein bisschen aus wie Owen Wilsons Charakter „Mobius“ aus der Marvelserie „Loki“ nachdem er eine Badewanne Crack geschnupft/geraucht/gespritzt/inhaliert2 hat.

Hab‘ doch gesagt, meine Fotokünste sind Scheisse

Wir treffen Rick zum ersten Mal, als er mit seinem Cop-Buddy Huck und ihrem Police-Chief Normad3 einen Trailer voller Drogen und Gangster ausheben soll. Dabei wird Huck verwundet, was Arschlochboss Normad aber völlig egal ist, schliesslich war der Raid ansonsten ein voller Erfolg… Somit wäre schon mal klar, wer der Bad Guy in diesem Film ist. Rick verpasst Normad eine, dieser droht mit Konsequenzen, aber das ist für Rick „not a problem“4.

Schnitt, Zeitsprung ein Jahr in die Zukunft, wo Normad einem Untersuchungsausschuss erzählt, wie er Rick und Huck beim Handeln von Drogen beobachtet hat. Das scheint wohl nun seine Rache für die vorherige Aktion zu sein. Wieso er dafür ein Jahr benötigt hat? I have no idea! (Ups, sorry, falscher Film). Beweise dafür werden sieht man jedenfalls nicht5, trotzdem werden Rick und Morty, äh, Huck gefeuert. Rick muss sich nun als Chauffeur durchschlagen, während Huck dem Alkohol verfällt.

In einer Bar trifft Rick auf seine alte Liebe Cindy, und kurz darauf werden wir Zeuge der ersten Musiknummer des Films, vorgetragen von Hauptdarsteller John de Hart höchstpersönlich. John hat sämtliche Songs zum Film beigesteuert, und diese werden zu unser Aller Leidwesen natürlich stets IN VOLLER LÄNGE vorgetragen:

Ein Ohrenwurm par excellence!

Cindy wird von ein paar Typen bedrängt, die sie zu kennen scheinen, Rick und Huck machen aber flugs Kleinholz aus den Kerlen. Am nächsten Tag gesteht Cindy Rick ihr dunkles Geheimnis (Flashback-Time!): Sie hat sich mit ein paar finsteren Typen eingelassen, die Drogen dealen, und ist einem satanistischen Kult beigetreten. Ober-Kulti und Chef-Drogendealer ist niemand geringeres als Normad. Dieser ist inzwischen nicht mehr Police-Chief, sondern Richter6.

Als Normad in einer Zeremonie ein Baby opfert, protestiert Cindy lautstark7. Sie wird gefesselt, das Baby geht ex, Rückblende fertig. Die Typen in der Bar wollten sie nun anscheinend killen, „because she knows too much“. Wieso sie das nicht gleich nach der Zeremonie erledigt haben? Movie-Logic!

Rick tröstet Cindy mit einem Zitat aus Hamlet, und die findet das so toll, dass beide wieder ein Paar werden. Was folgt: Heisser Sex in der Badewanne8, Blitzhochzeit, heisser Sex im Bett9.

Schlussendlich erledigen die Kultisten Cindy doch noch, sie wird bei einer Töffausfahrt mit Rick von der Strasse gedrängt und stirbt scheinbar. Rick sinnt auf Rache, boxt ein paar mal gegen einen Sandsack und wird so zum Superkämpfer, der im grossen Finale die restlichen Baddies inklusive Richter Normad kalt macht.

Am Ende stellt sich heraus – OH MY PLOT TWIST! – dass Cindy gar nicht tot ist, sondern ihr Ableben nur vorgetäuscht wurde, um weitere Attacken der Kultisten (also quasi „Kult-Attacks„?) zu verhindern. Somit lebt everybody happily ever after.

Fazit

Das waren jetzt nur mal die wichtigsten Plotpoints. Es gibt noch einen kleinen Nebenstrang mit Huck, der die ganze Erzählung aber zu weit in die Länge gezogen hätte.

Was hat der Film sonst zu bieten? Für die Herren: Boobs und Butts. Für die Damen: Leider nur einen kurzen Knackarsch. Mehrere Sexszenen in Überlänge10, weil so ein Love-Song halt nun mal ein paar Minuten dauert. Abrupte Szenenwechsel, die im Film so gar keinen Flow aufkommen lassen. Schauspielerische Leistungen auf tiefstem Niveau. WOBEI: Wings Hausers Performance als Huck bleibt mir in Erinnerung. Ich weiss nicht, ob das geniales Schauspieltalent ist, oder ob der Schauspieler immer völlig high und besoffen am Set aufgetaucht ist, aber wenn er in einer Szene ist, verblasst alles um ihn herum. Herrlich schräg!

Im Vergleich zu den Neil Breen’schen Meisterwerken darf man auch sagen, dass der Film ohne CGI auskommt und auf esoterischen Schwachsinn verzichtet. Zudem ist er nicht so wirr geschnitten, da JdH im Gegensatz zu NB nicht ständig die immer-gleichen Shots wiederholt.

Endspurt

Das KMG-Jahr neigt sich dem Ende zu, auf die folgenden zwei Worst-Nights dürft ihr euch noch freuen:

  • Showgirls in Zürich –> Klick (verpasse ich leider)
  • The Room in Bern –> Klick (grosse Vorfreude, bring Spoons!)

Für mehr Infos zur Kultmoviegang [EPIC TRAILER VOICE: ON] visit kultmoviegang.ch, follow us on Social Media or spend us a beer on the bar! [EPIC TRAILER VOICE: OFF].

Ich bedanke mich fürs Lesen, bis bald!

Pascal

Fussnoten:

  1. Ich würde mich keinesfalls als besonders „Intelligent“ bezeichnen, aber habe im Laufe meiner über 40 Lebensjahre doch schon einiges an unnützem Internetwissen aufgesammelt, das bei solchen Quizzes… Quizzen… Quiz’s… Rätselrunden hilfreich ist. ↩︎
  2. Ich habe keine Ahnung, wie man Crack konsumiert, and I’m sure as HELL won’t google THAT! ↩︎
  3. Sollte scheinbar Norman heissen, war aber ein Tippfehler im Script, der nie korrigiert wurde… Tipp-Ex, das weisse Gold, können sich halt nur Reiche leisten. ↩︎
  4. Das ist so Ricks Standartantwort auf Alles… Quasi seine Catchphrase. ↩︎
  5. Pfff, we don’t need that here! ↩︎
  6. Das ging jetzt ziemlich schnell… Aber in einem Rechtssystem, in dem eine Orange mit Sturmfrisur Präsident werden kann, erstaunt mich gar nichts. ↩︎
  7. Babe, was dachtest du denn, was diese Kuttenträger in ihren Ritualen dauernd machen? Brändi-Dog spielen? ↩︎
  8. in Slow-Motion, irgendwie müssen die 90 Minuten ja gefüllt werden. ↩︎
  9. Diesmal in Real-Time. Aber ist noch jemandem aufgefallen, dass Rick sein Champagnerglas nicht einfach wegstellt, sondern sichtbar jemandem am Bildrand in die Hand drückt? Soll da ein Dreier angedeutet werden? ↩︎
  10. Ich konnte auf die Schnelle nicht finden, wie alt John de Hart ist, aber er sieht aus wie Ü60, während sein Love Interest gerade Mitte 30 ist… Soooo erotic! ↩︎

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