Kino Reisen

Kurzbesuch am NIFFF 2024

Intro

Im letzten Jahr wagte ich meinen ersten Besuch am Neuchâtel International Fantastic Film Festival in… naja, Neuchâtel, dem Namen nach. Und musste feststellen, dass eine ganze Woche doch ganz schön lang für jemanden wie mich sind. Daher wollte ich es in diesem Jahr ruhiger angehen und es mal mit zwei Tagen versuchen.

Ich entschied mich für das Wochenende vom 6. und 7. Juli 2024. Wieso? Weil am Freitagabend noch ein Kultfriday in Bern stattfand, und das lässt sich dann gut miteinander verbinden, um Fahrtweg zu sparen: Freitag Übernachtung in Bern, Samstagmorgen los nach Neuenburg.

Für die zwei Tage kaufte ich einen Multipass für zehn Eintritte, wovon ich dann neun effektiv benötigte.

Nachfolgend nun meine acht besuchten Vorstellungen (plus eine Kurzfilmsammlung), wobei ich jeweils eine Wertung von 1 – 5 vergebe.

Samstag, 6. Juli 2024

Amazing Schools (Kurzfilmsammlung)

Los ging es mit einer Sammlung Schweizer Kurzfilme, die – soweit ich es verstanden habe – alle von Studenten der zahlreichen Schweizer Film- und Kunsthochschulen gedreht wurden. Von den sieben Filmen sprach mich keiner wirklich an. Gerade mal drei davon (Under the Ice, Beutset, Memento Mori) haben eine einigermassen nachvollziehbare Geschichte, einer WÄRE sicher sehr interessant (Vampire Décadence), war aber nur auf französisch OHNE Untertitel, und bei den restlichen dreien (A Monster called Love, Searching for the 5th Direction, Diapason 440) habe ich keine Ahnung, was uns die Macher eigentlich mitteilen wollten…

A Monster called Love: 1 von 5

Searching vor the 5th Dimension: 1 von 5

Under the Ice: 3.5 von 5

Beutset: 4 von 5

Memento Mori: 3 von 5

Vampire Décadence: 2.5 von 5

Diapason 440: 1 von 5

Handling the Undead

In Oslo erwachen kürzlich verstorbene von den Toten, vegetieren jedoch passiv vor sich hin. Die Angehörigen stehen nun vor der Herausforderung, dieses neue Leben zu Meistern. Schliesslich können sie nicht wirklich um ihre Liebsten trauern, aber so richtig „da“ sind diese auch nicht.

Die Handlung würde prima Stoff bieten für Horror oder Comedy (siehe „We are Zombies“, einen meiner Favoriten am diesjährigen Brugggore), hier wird sie aber zu einem langweiligen Familiendrama verwurstet. Handwerklich sicher ganz gut, insbesondere ohne zu viel dialoghaltige Exposition, aber der Film bietet keine Spannungskurve… eher eine Spannungslinie, die ziemlich horizontal verläuft. Gegen Ende kriegen ein paar der „Zombies“ zwar schon Hunger, aber auch das ist überaus langweilig inszeniert.

Wertung: 2 von 5

Your Monster

Die an Krebs erkrankte Laura wird während ihres Spitalaufenthaltes von ihrem Freund abserviert und verliert auch gleich die Hauptrolle in einem Muscial, das die beiden Zusammen erschaffen haben. Kaum zurück daheim möchte sie einfach nur ihre Ruhe, macht dann aber Bekanntschaft mit einem Monster, dass in ihrem Wandschrank haust. Nach anfänglicher Abneigung kommen sich die zwei näher…

„Die Schöne und das Biest“ mit einem Twist. Ich ging ohne Vorwissen in diesen Film und habe mich köstlich amüsiert. Die romantische Horrorkomödie lebt von der Chemie und dem steten Schlagabtausch zwischen Laura und dem Monster. Aber auch Lauras Ausraster bei einer Musicalprobe ist einfach fantastisch. Der Film hätte gerne noch etwas blutiger sein können, denn bis auf das Finale ist er in dieser Hinsicht ziemlich brav.

Wertung: 4.5 von 5

Maxxxine

1985 ist Maxine Minx ein gefeierter Pornostar, möchte aber auch in normalen Filmen durchstarten. Nachdem sie für ein Horror-Sequel gecastet wurde, werden aber einige ihrer Kolleginnen ermordet.

Der Abschluss von Ti Wests Trilogie mit Mia Goth. Der Film, der meiner Meinung nach eher Thriller als Slasher ist, ist insgesamt sehr spannend, bietet aber ein schwaches Finale. Innerhalb der Trilogie würde ich ihn in der Mitte einordnen: Gefällt mir besser als „X“, aber weniger gut als „Pearl“. Zwar liefert Mia Goth auch hier eine 1A-Leistung ab, aber ihre Performance als immer tiefer in den Wahnsinn abdriftende Pearl („Pearlformance?“) blieb mir einfach länger im Gedächtnis.

Wertung: 3.5 von 5

Krazy House

Im Haus der streng gläubigen Familie Christian (der Name ist Programm) tauchen drei russische Klempner auf und demolieren die halbe Bude. Bald wird klar, dass die drei nicht einfach schlechte Handwerker sind, sondern nach etwas bestimmten suchen…

Oh gosh, what a mess! Der Film startet als Parodie auf 90er-Sitcoms und verwandelt sich dann in eine herrlich abgedrehte, anarchistische Komödie mit erstaunlich viel Blut und einen fetten „Fuck You!“ ans Christentum. Science, Motherfucker!

Wertung: 4.5 von 5

Azrael

In einer postapokalyptischen Welt fliehen Azrael und ihr Geliebter vor einer religiösen Sekte, die sie an menschenfressende Monster verfüttern wollen. Doch Azrael ist alles andere als hilflos.

Sehr spannungsgeladener Wald-Horror, der ohne Worte auskommt. Mit starker Hauptdarstellerin, aber schwachem Ende.

Wertung: 4 von 5 (ursprünglich 3.5, aber nachdem ich dem Film etwas nachwirken lassen konnte, habe ich erhöht)

Sonntag, 7. Juli

Vampyr

Ein junger Mann landet auf einer Reise in einem Anwesen und trifft die kranke Tochter des Hausherrn. Er ahnt bald, dass Vampire da ihre Finger im Spiel haben könnten.

Der Film stammt aus dem Jahr 1932, was eine Bewertung sehr schwierig macht. Ich kenne keine anderen Filme aus dieser Ära und habe keine Ahnung, was zu dieser Zeit als „gut“ galt. Daher kann ich nur bewerten, wie gut ich unterhalten wurde, und die Antwort hier ist halt leider: Nicht so dolle. Gewisse Aspekte wie das schlechte Acting oder der wirre Schnitt hätten durchaus einen Best-Worst-Charme. But, mein lieber Dracula, die Filmmusik nervt einfach. Dieses Dauergefiedel ging mir nach ein paar Minuten schon dermassen auf den Senkel, dass ich mir am liebsten die Ohren abgerissen hätte.

Wertung: 2 von 5

L’Empire

In einem kleinen französischen Küstendorf fechten zwei als Menschen getarnte Alienrassen den Kampf um die Zukunft des Planeten aus.

Ja, einige der Gags sitzen, aber ein Grossteil des Humors ist sogar für meinen Geschmack zu cringe. Zudem besteht gefühlt jeder zweite gesprochene Satz aus reiner Exposition der Marke „As you know“, gut geschriebene Dialoge mit Subtext sind hier Fehlanzeige.

Wertung: 2 von 5

Snowpiercer

Nach einer Klimakatastrophe ist die ganze Erde von Schnee bedeckt, die wenigen Überlebenden fahren in einem Zug rund um die Erde, wobei es den Leuten in den vorderen Abteilungen einiges besser ergeht als den armen Leuten ganz hinten. Eine blutige Revolution ist daher unausweichlich.

Den Film kannte ich schon, nur noch nicht im O-Ton. An sich Standardware mit dämlich agierenden Charakteren und Logiklöchern am Laufmeter, aber immerhin ist das Szenario interessant und die Action kann sich einigermassen sehen lassen. Hirn aus und geniessen.

Wertung: 2.5 von 5

Fazit

Die zwei Tage waren schnell herum, aber dafür bin ich nicht komplett kaputt. Das dürfte ich das nächste Jahr auch so machen. Hat den Vorteil, dass ich nicht extra Ferien nehmen muss.

Meine Kinostatistik ist aktualisiert. 2024 sieht nach dem NIFFF so aus:

Danke fürs Lesen.

Pascal

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