Kino

Brugggore 2024 – Fantastic Horror and beyond

Horror und ich – keine Liebesgeschichte

Ich liebe Kinofilme. Das dürfte den meisten Leuten, die hier mitlesen oder mir auf Instagram folgen, einigermassen klar sein. Und auch wenn ich insbesondere Action und Comedy stark zugetan bin, wage ich dank der Kultmoviegang seit ein paar Jahren ab und zu auch den Ausflug in andere Genregefilde.

Nur eine Filmgattung war mir bisher nie ganz geheuer: Horror! Ich rede hier nicht unbedingt von den billigen Creature-Horrorfilmchen, die gerne mal auf RTL II, Tele 5 und Co. laufen und aufgrund der miesen Effekte statt Grusel eher Lachkrämpfe verbreiten, sondern von so richtig blutigem, Jumpscare-bepacktem Psychohorror, der darauf aus ist, dass man sich im Kinosessel festkrallt und hofft, keinen Herzanfall zu kriegen.

Anno 2013 wagte ich dann doch mal den Schritt ins Horrorkino und gönnte mir „The Cabin in the Woods“. Als grosser Buffy- und Firefly/Serenity1Best Show/Movie EVER!-Fan (und auch Dollhouse wäre mit anderer Hauptdarstellerin garantiert auch nicht so gefloppt) wollte ich mir Joss Whedons neustes Werk als Drehbuchautor trotz des Genres mal reinziehen. Und vor allem der Joss-typische, trockene Humor war es dann auch, der mir im Film sehr viel Spass machte.

Trotzdem sollte es danach eine ganze Weile dauern, bis ich mich wieder in Richtung Horror wagte: Am Kult-Attack Filmfestival 2023 gab es mit Child’s Play, The Fly und Critters drei Nachtvorstellungen aus der Horrorecke, die ich ursprünglich links liegen lassen wollte. Aber je näher das Festival kam, desto mehr meldete sich mein Ego: Wenn ich schon mehrere Tage in Bern im Kino hocke, will ich das schon komplett durchziehen! Also sprang ich über meinen Schatten und machte ich es mir dann bei diesen Vorstellungen im Sessel bequem.

Seither habe ich auch im regulären KMG- oder Kinoprogramm den einen oder anderen Gruselstreifen besucht. Horror gehört auch jetzt nicht zu meinem Lieblingsgenre und wird es auch nie werden. Ich weiss aber so langsam, was ich ertrage und was ich lieber sein lasse:

  • Ich muss herzhaft lachen können. Dabei ist es egal, ob das von den Autoren so gewollt ist oder nicht. Je mehr ich laut loslachen kann, desto besser.
  • Blut, Gedärm, herumfliegende Körperteile: Alles kein Problem, so lange es übertrieben unrealistisch ist.
  • Schlechtes CGI: Geht an sich Hand in Hand mit dem ersten Punkt. Schlechte Effekte = Lachen = Toll
  • Ich will mit einem einigermassen guten Gefühl aus dem Kino, also sollte zumindest „Das Böse“ am Ende nicht triumphieren

Mit diesem Wissen im Gepäck machte ich mich zum ersten Mal auf ans Brugggore, das heuer zum vierten Mal stattfand.

Programmauswahl

Das Festival findet in zwei Kinos statt, daher musste ich mich bei jedem Zeitslot für einen von zwei Filmen entscheiden. Nachfolgend nun eine Zusammenfassung meines Horrortrips. Ich benutze jeweils die Filmtitel aus dem Brugggore-Programmheft, während die Letterboxd-Screenshots den englischen Titel anzeigen.

Mittwoch, 24. April 2024

Buio Omega (1979)

Verlobte eines reichen Tierpräparators stirbt an einem Voodoo-Zauber, in die Wege geleitet von dessen eifersüchtiger Haushälterin. Doch diese Liebe ist unsterblich, daher buddelt unser Protagonist seine verblichene wieder aus und präpariert sie zur Puppe. Auf der Suche nach neuen Liebschaften steigt dann die Zahl der toten Frauen.

Italohorror der späten 70er. Punktet mit viel Blut und sonstigen Körpersäften, fand ich sonst inhaltlich aber langweilig. Der Film wurde in der deutschen Synchro gezeigt, hatte allerdings zwischendrin zwei Szenen, die wohl vergessen und im italienischen O-Ton gezeigt wurden.

Feast (2005)

In einer Bar mitten im Nirgendwo müssen sich die Gäste gegen gefrässige Monster wehren.

„From Dusk Till Dawn“ lässt grüssen. Der von Matt Damon, Ben Affleck und Wes Craven Co-Produzierte Streifen nimmt sich von Anfang an nicht ernst und spielt gekonnt mit den gängigsten Horrorklischees. So haben die Figuren allesamt nur Spitznamen wie „Heroine“, „Boss Man“ oder „Honey Pie“, womit von Anfang klar ist, dass keinerlei Tiefe erwartet werden kann. Der Film macht Spass und ist schön eklig, verliert sich in der Mitte aber in etwas zu viel Geschwafel. Zudem sind gewisse Szenen so dunkel oder verwackelt, dass man nicht mitkriegt, was denn nun gerade passiert.

Junk Head (2017)

In der fernen Zukunft haben die Menschen ihre Fortpflanzungsfähigkeit verloren. Ein einzelner Forscher begibt sich in den Untergrund, wo humanoide und noch fruchtbare Wesen lauern.

Wunderbarer Stopmotion-Film, der nicht von seiner Story sondern eher vom Artdesign lebt. Was Takahide Hori in über siebenjähriger Handarbeit erschaffen hat, ist einfach atemberaubend. Gewisse Charaktere und Figuren wachsen einem ans Herz, der Humor passt grösstenteils auch, allerdings fühlt sich der Film etwas lang an. Da hätten es 20 Minuten weniger auch getan.

Un Couteau dans le Coeur (2018)

Anne ist Produzentin billiger Schwulenpornos und dreht Ende der 70er gerade einen neuen Streifen, als ihre Schauspieler einer nach dem anderen ermordet werden.

Der Slasher/Thriller ist mit Vanessa Paradis prominent besetzt und vermag aufgrund des spannenden Kriminalfalles zu Beginn auch packen, aber im letzten Akt ging ihm für mich die Luft etwas aus.

Abigail (2024)

Eine Gruppe zusammengewürfelter Krimineller entführt die Tochter eines Verbrecherbosses und versteckt sich in einem abgelegenen Herrenhaus, um auf das Lösegeld zu warten. Dumm nur, dass die 12-jährige Abigail nicht so harmlos ist, wie sie scheint.

Für mich die Überraschung des Tages! Der Vampirfilm mit Melissa Barrera, Kathryn Newton und Giancarlo Esposito hat ganz viel Witz und sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viel Blut.

Eight Eyes (2023)

Amerikanisches Pärchen macht verspätete Flitterwochen im Balkan, gabelt einen Reisebegleiter auf und erlebt darum die Hölle.

Es mag an der Müdigkeit gelegen haben, oder daran, dass keine Untertitel gezeigt wurden und ich das Englisch mit serbischem Dialekt kaum verstanden habe, aber mir hat der Hillbilly-Horror trotz ein paar netter Gore-Effekte absolut nicht zugesagt.

Donnerstag, 25. April 2024

Zombie Holocaust (1980)

In New York mehren sich Fälle von Kannibalismus. Einer Krankenschwester-Schrägstrich-Anthropologin sowie einem FBI-Doktor wird bald klar, dass diese von einer abgelegenen asiatischen Insel stammen. Also begeben sie sich flugs dorthin und machen schnell auch Bekanntschaft mit den titelgebenden Zombies.

Bei so einem Filmtitel ist recht schnell klar, was einen erwartet. In der deutschen Version heisst der Film „Zombies unter Kannibalen“. Und genau diese deutsche Version kriegten wir vorgesetzt, sie hat dank der Dialoge auf Pornoniveau ein paar Lacher gesorgt. Auch sonst ist der Streifen des italienischen Regisseurs Marino Girolami das, was man erwartet: Idiotische Handlung und ganz viel tolles Gore.

Gueueles Noir (2023)

Französische Mineure müssen in den 1950ern einen Professor mit in die Tiefe schleppen, der Gesteinsproben nehmen will und einer alten Zivilisation auf der Spur ist. Dabei lassen sie etwas frei, das seit 100 Jahren eingesperrt ist… und Lust auf Blut hat.

Recht guter Monster-Horror, bei dem es zwar etwas dauert, bis es endlich richtig los geht. Danach ist die Spannung recht hoch, allerdings wird das Monster viel zu früh in seiner Gänze gezeigt. Es ist zwar schön eklig, aber – besonders die Arme – absolut lächerlich animiert.

Attack the Block (2011)

Aliens schlagen in London auf, und eine Gruppe jugendlicher Krimineller muss sie zusammen mit einer benachbarten Krankenschwester bekämpfen.

Den hatte ich tatsächlich schon vor vielen Jahren gesehen, konnte mich aber an vieles gar nicht mehr erinnern. Gezündet hat er bei mir erst in der zweiten Hälfte. Vorher haben mich einige der unsympathischen Protagonisten einfach zu sehr genervt.

Stopmotion (2023)

Um ihren ersten eigenen Stop-Motion-Film zu animieren, zieht Ella in ein eigenes Appartement und freundet sich mit einem kleinen Mädchen an. Doch während der Entstehung des Werkes scheint sie immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen und ihre Figuren entwickeln ein Eigenleben. Alles nur Halluzination?

Hat mich absolut nicht angesprochen. Die Protagonistin lässt mich absolut kalt, der Twist mit dem jungen Mädchen ist schon nach ihrer zweiten Szene klar und das Ende ist – wie auch sonst einige Teile des Film – verwirrend.

Love Lies Bleeding (2024)

Lou, Leiterin eines Fitnessstudios, verliebt sich in eine Bodybuilderin. Anstelle eines glücklichen Zusammenlebens werden sie von Lou’s dunkler Vergangenheit eingeholt.

Spannend und gut gespielt.

The New York Ripper (1982)

In New York geht ein Frauenkiller um. Ein Detective versucht zusammen mit einem Psychologieprofesser, den Killer zu fassen. Ihr einziger Hinweis: Der Täter klingt wie Donald Duck.

Italo-Slasher, der in der deutschen Version gezeigt, auch wenn gewisse Szenen dann doch auf Englisch liefen – wobei der Wechsel schon mal mitten im Dialog vorkommen konnte. Ansonsten der genretypische Gore. Aber „Donald Duck“ schlug dem Fass den Boden aus. Einfach herrlich!

Freitag, 26. April 2024

You’ll never find me (2023)

Patrick, der in einem abgelegenen Trailerpark lebt und einfach nur seine Ruhe haben will, lässt in einer stürmischen Nacht eine junge Frau herein, die Zuflucht vom Regen sucht. Schnell wird klar, dass sowohl Patrick als auch sein Gast etwas verbergen.

Packendes Kammerspiel, das praktisch nur im kleinen Trailer spielt. An sich extrem spannend und hätte gut und gerne einen Stern mehr verdient, aber der „Sixth Sense“-hafte Twist am Ende macht es ein wenig kaputt, da dadurch gewisse Szenen gar keinen Sinn mehr ergeben.

Destroy all Neighbors (2024)

Willy lebt mit seiner Freundin in einem heruntergekommenen Appartement und versucht erfolglos, sein Prog-Rock-Album fertig zu stellen. Als nebenan ein lärmiger neuer Nachbar einzieht, eskaliert die Situation sehr schnell.

Sehr witzig mit tollen Gore-Effekten, leider aufgrund der fehlenden Untertitel nicht immer durchgehend verständlich.

We are Zombies (2023)

In der Zukunft leben Menschen und Zombies friedlich nebeneinander, letztere werden gerne als billige Arbeitskräfte missbraucht. Ein paar Loser klauen eine Grossfirma die Arbeiterzombies vor der Nase weg, um sie selber zu verschachern, und decken dabei ein Komplott auf.

Eines meiner Festivalhighlights! Sehr witzig, effektreich und einfach symphatisch.

The Invisible Maniac (1990)

Ein frauenverachtender Wissenschaftler unterrichtet den Sommerkurs an einer High School und wird von den Schülern gemobbt. Als er ein Unsichtbarkeitsserum erfindet, macht er das einzig logische und fängt an, die verf*ckten Kackbratzen abzumetzeln.

Der Film wurde im Rahmen der KMG-Worst-Night präsentiert und bietet entsprechende Unterhaltung auf tiefstem Niveau. Aber jeder, der in der Schule gemobbt wurde, wird mit dem Prof mitfühlen können. Daher: Ein Hoch auf Dr. Kevin Dornwinkle!

The Rocky Horror Picture Show (1975)

Verlobtes Pärchen bleibt bei Regen in der Pampa mit dem Auto liegen und flieht in ein nahegelegenes Schloss, wo sie auf einen transvestiten Doktor und weitere Gestalten treffen.

Kultiger Musicalfilm zum mitmachen, was aber leider dazu führte, dass ich oft nicht verstand, was im Film gesagt oder gesungen wurde – das Publikum war einfach oft zu laut und auf Untertitel hat man vergeblich gehofft. Konnte den Film daher nicht so geniessen, wie er es verdient hätte und muss ihn vermutlich erst mal in Ruhe alleine schauen. Was bleibt: Ein tolles Setdesign und ein genialer Tim Curry.

Fazit

An sich wäre noch „Daaaaaali“ angesagt gewesen, aber mir war schon am Vormittag klar, dass ich nach „Rocky Horror“ abdüse und den Heimweg antrete. Insgesamt hatte ich viel Spass mit ein paar wirklich tollen Highlights (Abigail, Junk Head und We are Zombies).

Danke fürs Lesen.

Pascal

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