Während vier Tagen habe ich mir im Kino den Hintern wund gesessen, gelacht und geweint, und am Ende sogar gesungen. Begleitet mich, wie ich dieses Erlebnis nochmals Revue passieren lasse.
Prolog: Ein Kollektiv aus Filmfreaks
Seit Mitte 2018 bin ich eines von ca. 80 Mitglieder der Kultmoviegang („KMG“), einem „Kollektiv bestehend aus Filmfreaks, welche sich zum Ziel gesetzt haben, mit viel Herzblut der eintönigen, cineastischen Massenware entgegenzutreten.“ (Zitat www.kultmoviegang.ch).
Konkret bedeutet das, dass ich fast jeden Freitag nach Bern oder Zürich pilgere, um mir alte Kultfilme oder „grottenschlechte und trotzdem unterhaltsame Filmkunst“ anzusehen. Eine detaillierte Erläuterung der einzelnen Vorführreihen (Worst Nights, Kultfridays, Animittwoch) würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, daher verweise ich gerne auf die offizielle Homepage der Truppe. Nur soviel sei gesagt: Wollt ihr Filme nicht nur sehen, sondern ERLEBEN, besucht uns doch mal an einem solchen Screening. Die Vorstellungen sind öffentlich, als Member kommt man etwas günstiger rein.
Die KMG-Führungsriege hat sich in diesem Jahr einen langersehnten Traum erfüllt und ein eigenes Filmfestival auf die Beine gestellt. Thema: die 80er-Jahre. 21 Kultfilme innerhalb vier Tagen (to be precise: 20 Filme und 2 Serienfolgen, wobei Letztere halt als „1 Film“ direkt nacheinander gezeigt werden und für mich somit als EIN Film gelten) sollten von Donnerstag, 11. Mai 2023 bis Sonntag, 14. Mai 2023 gezeigt werden. Und der Name? Kult-Attack! Als 1982er-Jahrgang habe ich ein paar Filme so knapp noch miterlebt, aber im Grossen und Ganzen war ich in der Zeit eher auf Serien fixiert. Daher versprach das Programm die eine oder andere Perle, von der ich noch gar nichts gehört hatte.
Nun, wer mich gut genug kennt, der weiss, dass ich fast nichts mehr hasse als lärmende, quer durcheinanderredende Menschenmassen, wie sie z. B. genau bei so einem Festival zu erwarten sind. Mir explodiert oft schon nach wenigen Minuten der Kopf und ein gewisser „Ich muss hier raus“-Drang beginnt sich zu zeigen. Daher suche ich mir ganz gezielt aus, welche Veranstaltungen ich besuche: Für mich muss der zu erwartende Spassfaktor sehr viel höher sein als die negativen Folgen (inklusive der stets zuverlässig auftauchenden Schlaflosigkeit, weil der ganze Krach noch eine ganze Weile in meinem Kopf nachhallt). In Bezug auf das Festival machte mir vorallem die Zeit zwischen den Screenings sorgen: Überfülltes, lautes Foyer, und einfach raus gehen war unter Umständen auch schwierig, da das Kino mitten in der Stadt ist und ich den Verkehrslärm auch nicht wirklich aushalte.
Wenn ich nun also sage – soviel spoilere ich schon mal – dass ich gerade vier der geilsten Tage ever hinter mir habe, darf das KA-OK dies als gigantisches Kompliment sehen, denn es bedeutet, dass mir das alles so viel Spass gemacht hat, dass die „Downsides“ – die nach Tag 1 fast permanenten Kopfschmerzen und die drei fast Schlaflosen Nächte – meilenweit überragt wurden. (Fürs nächste Mal – sofern ich wieder dabei sein kann – nehme ich mir dann vor, etwas mehr auf die Leute zuzugehen, um vielleicht den einen oder anderen Kontakt zu knüpfen #overlyshypeopleproblems).
Nachfolgend stelle ich nun die einzelnen Filme vor und streiche ein wenig meine Highlights heraus. Have fun! Or don’t. Whatever.
Tag 1: Donnerstag / Vom Killerauto zur Killerpuppe
Film 1: MacGyver – „Out in the cold“ (Wintersport ist Mord) / Knight Rider – „K. I. T. T. vs. K. A. R. R.“ (Der schwarze Teufel taucht wieder auf)
Als besondere Ouverture startete das Festival nicht mit einem Film, sondern je einer Folge MacGyver und Knight Rider. Während MacGyver in einer Lawine ums Überleben kämpft und später seinen dicken Sidekick retten muss – all das wegen eines Mikrofilms – kriegen es K. I. T. T. und Hassel The Hoff in Knight Rider mit dem bösen, bösen K. A. R. R. zu tun.
MacGyver habe ich als Knirps durchaus geschaut, spielte aber hinter Knight Rider immer die zweite Geige. Daher war ich schon von Beginn weg happy, zumal ich die zwei endlich mal im O-Ton erleben durfte.
Vorher schonmal gesehen? Ich glaube nicht.
Film 2: UHF (UHF – Sender mit beschränkter Haftung)
„Weird Al“ Yankovic (oder spricht man es Yankovic aus?) war mir zwar ein Begriff, aber ich kannte ihn hauptsächlich aus seinen „Naked Gun“-Cameos und natürlich seiner famosen Hamilton Polka.
Daher hat mich der Film extrem überrascht – im Positiven! Genauer gesagt: Wenn ich mich unter Androhung von Gewalt für ein Filmhighlight entscheiden müsste, wäre es UHF! Die visuelle Comedy, bei der oft im Hintergrund etwas Witziges abläuft, hat mich sehr stark „Die nackte Kanone“ und andere ZAZ-Produktionen erinnert. Und ZAZ macht mir halt immer SpaZZ… Jetzt muss ich mal forschen, wo ich die DVD besorgen kann…
Vorher schonmal gesehen? Nein!
Film 3: The Naked Gun (Die nackte Kanone)
Was kann man noch grosses über Leslie Nielsen’s Paraderolle erzählen? Der Film zieht einfach immer, und ich entdecke auch nach dem X-ten schauen immer mal wieder etwas Neues im Hintergrund… Lt. Frank Drebin macht einfach Spass!
Vorher schonmal gesehen? Ja, unzählige Male. Wird trotzdem nie langweilig, vor allem mit einem Kinosaal voller Gleichdenkender.
Film 4: Mad Max 2 (Mad Max II: Der Vollstrecker)
Der zweite Teil der dystopischen Actionfilmreihe, in der ein noch junger Mel Gibson (welcher meiner Meinung nach einfach eine gewisse Ähnlichkeit mit René Rindlisbacher hat) als wortkarger Max Rockatansky einer belagerten Siedlung hilft.
Trotz toller Action nicht so meines, aber den „Gyro Captain“ fand ich irgendwie sympathisch.
Vorher schonmal gesehen? Nein
Film 5: Child’s Play (Chucky – Die Mörderpuppe)
Natürlich darf auch Horror nicht fehlen, obwohl das sowas von NICHT MEIN GENRE ist. Aber da ich eh wusste, dass es mit Schlafen nicht so klappen wird, habe ich mir vorgenommen, auch alle Horrorstreifen zu schauen.
Hab’s sogar schadlos überstanden, und ich habe auch ganz bestimmt immer ganz konzentriert zugeschaut, honestly, und sicher NICHT mit meinem Natel rumgespielt, wenn sich ein Jumpscare ankündigte… #mimösli
Vorher schonmal gesehen? Oh hell NO!
Tag 2: Freitag / Von wundersamen Wesen, killenden Kommunisten und einem sexy Scientist
Film 6: Labyrinth (Die Reise ins Labyrinth)
David Bowie mit explodierter Frisur und eine süsse Jennifer Connelly. Und geile praktische Effekte mit möglichst wenig CGI. Ach, und die Musik ist auch nicht schlecht.
Vorher schonmal gesehen? Ich glaube nicht, aber mir kam das Setting bekannt vor. Bis mir dann ein Licht aufging: Ich habe für meine VR-Brille ein Minigolfgame, in dem es einen „Labyrinth“-Level gibt, in dem die ganzen Setpieces nachgebaut sind!
Film 7: Moonstruck (Mondsüchtig)
Cher’s oscarprämierte Rolle (beste Hauptdarstellerin, 1988). Wobei mir Nicolas Cage mehr im Gedächtnis geblieben ist. Und obwohl RomCom’s für mich aktuell eher „Meeh“ sind, fand ich’s witzig genug, dass der Film sogar mein Tageshighlight darstellt.
Vorher schonmal gesehen? Nein
Film 8: Romancing the Stone (Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten)
Noch eine RomCom, diesmal mit Michael Douglas und Kathleen Turner. Und obwohl die Chemie zwischen den beiden stimmt, hat mich der Film als Ganzes eher enttäuscht und gelangweilt.
Vorher schonmal gesehen? Nein
Film 9 : Die Hard (Stirb Langsam)
Der Kult-Weihnachtsfilm in dem Bruce Willis als unterhemd-tragender Weihnachtsmann eine Büroparty aufmischt und ein paar deutsche Partycrasher rauswirft (ein paar davon aus dem Fenster). Nein ehrlich: Wer kennt den Film nicht? Der geht immer! Auch wenn der O-Titel eher einen Plot à la „Typ stirbt nach Einnahmen von Potenzmittel“ vermuten lässt. Yippie-Kay-Yayyy, Motherf*****!
Vorher schonmal gesehen? More than I can count
Film 10: Rocky 4: Rocky vs. Drago (Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts) – Sly’s Director’s Cut
Muskelbepackter Ami (F*CH YEAH) muss gegen bösen, aber nicht minder bemuskelten Sovjet (BOOOOH) antreten. Am Ende hauen sich beide so stark auf die Fresse, dass der Kalte Krieg sofort für beendet erklärt wird, da diese Schauspielleistungen eine höhere Bedrohung darstellen als jede Atombombe. Trashig, aber very amüsant!
Vorher schonmal gesehen? Nein. Überhaupt gar kein Rocky-Film…
Film 11: The Fly (Die Fliege)
Letzter Film des Tages (wobei schon nach Mitternacht ist… WEIT nach Mitternacht), wieder ein Horrorfilm. Jeff Goldblum als sexy Wissenschaftler, der seine DNA versehentlich mit der einer Stubenfliege vermixt, weil zu wenig Kohle für Insektenschutzgitter vorhanden war. Pech.
Herrlich ekliges Fliegenmonster!
Vorher schonmal gesehen? Nein
Tag 3: Samstag / Ab ins Weekend mit Musik, Tanz und 88 Meilen pro Stunde
Film 12: Pink Floyd – The Wall (der heisst auf deutsch genau gleich)
Kein Film, den man übermüdet schauen sollte. What the F*CK!? Ich musste den Plot auf Wikipedia nachschlagen. Ist aber sicherlich eine Erfahrung der anderen Art…
Vorher schonmal gesehen? Nein
Film 13: Flashdance (Flashdance)
Geile Songs, tolle Dance-Moves, fesches Girl, very unterhaltsam! Hätte aber eine Tanzeinlage vom OK erwartet 😉
Vorher schonmal gesehen? Nein
Film 14: Cocktail (Cocktail)
Mr. TopGun als träumender Barkeeper, der auf das grosse Geld hofft und dabei die Liebe findet… und verliert… und zurückgewinnt… Der Film gefiel mir an sich nicht schlecht, aber so im Nachhinein hat er nichts, an das ich andauern denken müsste, daher für mich einer dieser Forgettable Movies, mit denen man Spass hat, die aber schnell wieder aus dem Gedächtnis rutschen… Ausser vielleicht das rohe Ei im Cocktail… Das wär Bäh…
Vorher schonmal gesehen? Nein
Film 15: Back to the Future (Zurück in die Zukunft)
Der erste Teil von Robert Zemeckis‘ bekannter Zeitreisetrilogie. Auch schon dutzende Male gesehen, wird nie langweilig. Mein Highlight des Tages!
Vorher schonmal gesehen? Oooohh jaaaaaa
Film 16: Predator (Predator)
Ahnuld Swoazenegger is satsch a gräit äktor, ävri muuhvie wizz him masst be watsched! If iuu dount läik this äktschn-epos, wher hii kicks an äliens äss, yuu kän fack off änd get to da choppaaah!
Vorher schonmal gesehen? Jep, hab mir vor dem Festival die ganze Predator- und Alien- und sogar die AvP-Reihe angetan… Get to da Kotzkübel…
Film 17: Critters (Critters – Sie sind da!)
Uuund als Absacker nochmals etwas Horror, diesmal aber eines mit Trashfaktor und Witz, und ganz vielen süüüüsssen, nieeeedlichen, kuschligen Knuddelaliens die von den Bewohnern eines Bauerndorfes ganz furchtbar geplagt werden.
Mit einem jungen Scott Grimes („The Orville“). Ach ja, und Billy Zane. Der geht aber schnell drauf.
Vorher schonmal gesehen? Nein
Tag 4: Sonntag / Mein Seelentier, eine Leseratte, ein frecher Teenie und ein Baby in der Ecke
Film 18: Mein Nachbar Totoro
Totoro war einer von zwei Filmen, die mit deutscher Synchro gezeigt wurden, damit auch Familien mit Kleinkindern etwas spannendes erleben können. Und obwohl der Film an sich nicht wirklich einen Spannungsbogen aufweist, sondern die Handlung bis kurz vor Schluss nur so vor sich hinplätschert, ist das mein liebster Anime! Mit süssen Kuscheltieren hat man mich einfach in der Tasche. Zudem ist Totoro mein absolutes Seelentier: Gross, fett, kuschlig, hilfsbereit und gleichzeitig faul herumliegend… Ich bin sicher, ICH war in einem früheren Leben ein Totoro!
Vorher schonmal gesehen? Ja, ein paar Mal
Film 19: Die unendliche Geschichte
Bekanntes Märchen über einen Jungen, der ein Buch liest und dank seiner Fantasie eine Geschichte erschafft.
Ja, auch ich war als Kind traurig, als das arme Pferd im Schlamm absoff. Heute muss ich sagen, die Szene hätte mehr Impact, wenn man den Gaul nicht erst seit gut zwei Minuten kennen würde… Trotzdem guter Film mit starken Effekten!
Vorher schonmal gesehen? Es war einmal, vor langer, langer Zeit…
Film 20: Ferris Bueller’s Day Off (Ferris macht blau)
Teeniekomödie mit Matthew Broderick. Witzig, aber nichts, was mir im Gedächtnis bleiben würde.
Vorher schonmal gesehen? Nein
Film 21: Dirty Dancing (Dirty Dancing)
Was für ein grandioses Finale! Der kultige Tanzstreifen ist zwar etwas seicht, bietet aber tollen Soundtrack und heisse Choreographien, und macht daher auch Spass. Aber Highlight war dann doch die Karaoke-Einlage durch den ganzen Saal am Ende des Films… Ich kann wirklich sagen: I’ve had the time of my life! Thank you all!
Vorher schonmal gesehen? Nein
Epilog
Well, that’s it! 21 Filme an vier Tagen, insgesamt 2’093 Filmminuten, was ca. 34.88 Stunden Kinosessel bedeutet.
Impressionen gibt es bei Instagramm:
Kult-Attack: https://www.instagram.com/kult_attack/
Kultmoviegang: https://www.instagram.com/kultmoviegang.ch/
Mein Insta: https://www.instagram.com/pascal_h_1982/ –> Story-Highlights im Profil
Thanks for reading.
Pascal
