Kino

KMG-Worst-Night: „Blackbird“

Michael Flatley – die heilige Dreifaltigkeit

Beim Namen „Michael Flatley“ dürften die meisten1normalen Menschen an Riverdance denken. Der selbsternannte „Lord of the Dance“ stepptänzelte von den frühen 80er-Jahren bis zu seinem Rücktritt 2016 über die Bühnen dieser Welt.

Woran die meisten2again: normalen Menschen beim Namen „Michael Flatley“ NICHT denken dürften, ist: „Boah, der Typ würde sich ganz gut als James-Bond-Verschnitt im Kino machen!“. Nun ist Michael Flatley nicht wie die meisten3i think you get it by now Menschen, und das Resultat durften wir nun am Freitag im Kino bestaunen.

Wie für solche Eitelkeitsprojekte üblich hat Michael Flatley nicht nur das Drehbuch verfasst4Ich frage mich, ob er dazu die Hände benutzt hat oder einfach auf der Tastatur rumgesteppt ist? und Regie geführt, sondern sich selber die Hauptrolle zugeschanzt. Nebenbei hat er den Streifen auch noch produziert, Kohle hat er sich in seiner Laufbahn ja genug zusammengetanzt. Und wenn man schon ein schickes Herrenhaus sein Eigen nennt, kann man einige Szenen ja auch gleich dort drehen und ein wenig Geld sparen.

Blackbird? More like Blackbird-emic…

Achtung, Spoiler! Nachfolgend reisse ich die Story grob zusammen, zumindest so, wie ich sie verstanden habe… Wer sich den Spass später selber antun will, scrollt einfach weiter zum nächsten Zwischentitel.

In der Eröffnungsszene finden wir uns vor einem schicken Herrenhaus wieder, während einer Beerdigung5Ich vergrabe meine Verwandten auch immer bei mir im Garten. Ihr doch auch, oder?. Michael Flatley – alias „Victor Blackley“ – zeigt uns ein erstes Mal seine Vorliebe für Hüte, genauer gesagt SCHRÄG SITZENDE Hüte. Den Reaktionen der Gäste, den Gesprächen und den verwirrenden Flashbacks-Tidbits6Flashback-Tidbits are tight! <– Klick entnehmen wir, dass er hier gerade seine Verlobte verbuddelt hat.

Victor ist Anführer der supergeheimen Agententruppe „The Chieftains“7Zu deutsch: „Häuptlinge“ – resp. „Der Name einer irischen Band, mit denen Flatley in den 80er-Jahren getourt hat“. Er ist ein so toller Geheimagent, dass „no one else can do what he does!“. Dies erfahren wir wohlgemerkt nicht durch eine Actionszene, sondern durch Dialoge, denn Flatley scheint hier die „Neil Breen’sche Script Writing Rule No. 1“ zu befolgen: Tell, don’t show!

Nach einem Zeitsprung von zehn Jahren geht es weiter auf einer Karibikinsel – gemäss Wikipedia Barbados – wo Victor Blackley ein eigenes Hotel führt, in dem seine Agentenkollegen allesamt als Bedienstete arbeiten. Wieso sie dort arbeiten? I HAVE NO IDEA!8Oops, sorry, wrong narcissist..

Wie es der Zufall9aka der Drehbuchautor so will, nächtigt gerade der Waffenhändler Blake (gespielt vom Pretty Brother Eric Roberts) mit seiner Verlobten in genau diesem Hotel, und ebenso zufällig10jep handelt es sich bei der Verlobten um eine von Victors Ex-Liebschaften. Also ideale Voraussetzung für Victor, wieder ins Secret-Agent-Business einzusteigen, den Bad Guy auszuschalten und das Herz seiner alten Flamme wieder zu erobern? Falsch! Da Victor nicht glaubt, dass Blake ein Verbrecher ist, ignoriert er die Warnungen seiner Crew. Erst als sich einer seiner treuen Angestellten eine kraniale Bleivergiftung einfängt, begibt er sich in Aktion.

Was folgt, ist das grosse Finale, ein Actionfeuerwerk sondergleichen: Erst eine zehnsekündige Boxszene, in der unser Superagent dem Handlager von Blake den Schädel zu Brei boxt11Flatley war ja mal Nachwuchs-Box-Champ… Klar, dass da auch im Film geboxt werden muss… und ein kurzer Mexican Standoff mit den Bad Guys, der nach fünf Sekunden Geballere auch vorüber ist.

Und das war’s dann auch von der Geschichte. Alle Bösen tot, Blackbird kriegt das heisse Mädel, und sogar die eine Chieftain-Agentin, die Blackley aus Eifersucht Verraten hatte, ist einsichtig und darf ihren Job als Sängerin behalten. Employer of the year, sag ich da nur!

Fazit

Boah, wie finde ich denn nun den Film? Ich… hatte ehrlich gesagt viel, VIEL Schlimmeres erwartet. Was Bad Movies angeht, habe ich schon viel Übleres gesehen. Und das wird „Blackbird“ in meinen Augen etwas zum Verhängnis: Während Filme wie die „Birdemic“-Reihe oder die Neil-Breen’schen Meisterwerke dermassen grotesk schlecht sind, dass sie einem im Gedächtnis bleiben, hat dieser Film nichts, was irgendwie erinnerungswürdig ist. Er ist schlicht und einfach langweilig.

Will der Film ein Agententhriller sein? Dazu fehlt der „Thrill“. Das Pokerspiel gegen Ende soll wohl etwas Spannung erzeugen, aber da ich von Poker keine Ahnung habe, und der Ausgang sowieso klar ist, zieht das bei mir nicht12Liebe Regisseure: Lasst eure Geheimagenten doch mal etwas spielen, was auch ICH verstehe: Tschau Sepp, oder Cards Against Humanity, oder meinetwegen UNO… Ein Actionfilm ist es auch nicht: Es gibt keinerlei richtige Action, die meiste Zeit wird gelabert und gelabert und geredet und noch mehr gelabert.

Flatley’s Schauspielerei ist auf keinen Fall grossartig, aber er fällt halt auch nicht mit totalem Overacting auf wie Tommy Wiseau oder Neil Breen: Er läuft einfach nur den ganzen Film rum, labert, und wechselt dabei stetig zwischen den zwei gleichen Gesichtsausdrücken.13„Mit zusammengekniffenen Augen leer in die Ferne starren“ und „Mit zusammengekniffenen Augen leer in die Ferne starren und den Mund verziehen, als ob er sich grad die Seniorenwindel vollkackt“

On the plus side: Der Film hat ein paar längere Szenen ohne Schnitt, wo die Kamera in einem Take durch den Raum und um die Leute herumkurvt. Das ist eine nette Abwechslung zum üblichen Fixed-Camera-Einheitsbrei.

Was den Filmabend schlussendlich aber gerettet hat, waren die selbstgemachten Untertitel von Ronny. Dadurch habe ich die Story zwar auch nicht besser verstanden, mich aber köstlich amüsiert. Thanks, Ronny!

Bye-bye Blackley – und noch etwas Werbung

So, das war es von meiner Seite. Wenn ihr gerne schlechte Filme abfeiern wollt, besucht uns doch mal an einem Screening in Bern, Zürich oder Neuchâtel. Wenn ihr lieber gute Kultfilme seht, wären die Kultfridays etwas für euch. Oder doch lieber Anime? All das und noch einiges mehr bietet euch die Kultmoviegang. Infos findet ihr auf www.kultmoviegang.ch

Und wo wir doch bei Kultfilmen sind: Vom 7. – 10. März gibt’s 20 Kultfilme aus den 90ern am Kult-Attack-Filmfestival in Bern. Check out www.kult-attack.ch und holt euch den Festivalpass. Ich bin dabei und habe mir zum Programm schon ein wenig Gedanken gemacht.

Danke fürs Lesen.

Pascal

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