Reisen

Reykjavik – Mittwoch

Tag vier und somit bald Halbzeit in Reykjavik.

Da heute eher nasses Wetter angesagt ist, soll dieser Tag etwas gemütlicher werden. Zeit für ein paar Museumsbesuche! Am Vorabend hatte ich mir sechs Museen herausgesucht, die mich interessieren. Bei einem davon sollte ich dann den Eingang nicht finden, stattdessen habe ich etwas später ein anderes interessantes entdeckt. Also war ich doch in sechs drin. Aber der Reihe nach.

Da die meisten meiner angesteuerten Ausstellungen erst ab 10 Uhr geöffnet habe, konnte ich am Morgen etwas länger liegen bleiben. Nach einem kleinen Frühstück ging es auf den Bus zum ersten Ziel:

Whales of Island

Punkt 10 Uhr marschiere ich durch die Türe und bin vorerst der einzige Besuche. Eintritt bezahlt, Audioguide eingesackt und die Jacke an der Garderobe aufgehängt, schon geht es in die Ausstellung. In dieser hängen leider keine echten Wale, aber Modelle in Originalgrösse. Zu jedem gibt es ein Tablet mit Informationen, zudem labert der Audioguide unaufhörlich. Da ich mich dem Tempo des Letzteren anpassen muss, schlendere ich nur langsam zwischen den grossen Meeressäugern hindurch. Ab und zu die Kamera gezückt, leider ist das Licht nicht so toll. Trotzdem sind besonders die grösseren Wale (Pottwal, Blauwal) sehr imposant. Nach knapp 30 Minuten bin ich wieder draussen.

Mein nächstes Ziel ist nur 5 Gehminuten entfernt:

Aurora Reykjavik

Hier erhält man viele Informationen über die Nordlichter. Wie entstehen sie? Wie haben die Menschen früher darauf reagiert? Wie fotografiert man sie am Besten? Für Polarlichtinteressierte ein Muss, auch wenn man auch mit dem Studium aller Schautafeln in weniger als 45 Minuten durch ist.

Der nächste Stop ist ca. 10 Gehminuten entfernt:

Volcano House

Das entpuppt sich weniger als ein Museum und mehr als ein Minikino. Zwar gibt es im Vorraum allerleid Vulkangestein, Asche etc. zum Anfassen, man kann sogar Vulkanasche kaufen. Aber die Main Attraction sind wohl die zwei Filme, die im Kino gezeigt werden und jeweils ca. 30 Minuten dauern.

Film 1 handelt vom Vulkanausbruch auf der Insel Vestmannaeyjar im Süden Islands. Film 2 vom Ausbruch des Ellahalla… Eyllahalla… Eyjafjallajökull. In beiden Filmen wird aber auch auf die Geologie Islands eingegangen. Beides sehr interessante Dokus.

Lunchbreak

Zeit für die Mittagspause. Da das ursprünglich ins Auge gefasste Restaurant voll war, entscheide ich mich für das Jómfrúin in der gleichen Strasse. Wenn ich schonmal in Skandinavien bin, muss ich auch mal Fisch essen, also gibt’s ein Kabeljau-Filet mit gestampften Kartoffeln und Grünzeug.

Frisch gestärkt starte ich meinen Verdauungsspaziergang, denn mein nächstes Ziel ist knapp 15 Minuten Fussmarsch entfernt:

Isländisches Nationalmuseum

Ein Museum über die Geschichte Islands. Im Erdgeschoss hat es eine temporäre Ausstellung über einen Engländer, der um 1900 zwecks Fischhandel regelmässig längere Zeit in Island verbracht hatte und dort mit der Zeit sehr bekannt und beliebt wurde. Neben Relikten sind sehr viele seiner Fotos aufgehängt. Sehr interessant.

Die anderen zwei Stockwerke widmen sich zeitlich geordnet der isländischen Geschichte. Wikinger, Christianisierung, Moderne und so weiter. Da generell eine sehr ruhige Atmosphäre herrscht, kann man gemütlich hindurchschlendern. Wenn man jede Infotafel durchliest und den Inhalt in sich aufsaugt, kann man Stunden hier verbringen. Ich war nach ca. 45 Minuten durch.

Es geht wieder zurück Richtung Innenstadt. Ein letztes Museum ist noch auf der Liste, wohl das speziellste:

Isländisches Phallusmuseum

Leider gibt es hier keine Garderobe mit STÄNDER und Schliessfach, wo man Jacke und Rucksack deponieren könnte, daher muss ich alles anbehalten, auch wenn meine Schultern durch das ganze Tragen schon langsam STEIF werden. Zum Glück ist es nur eine kleine Ausstellung, daher sollte es nicht zu HART werden. Okay, genug Dick Puns (aber auch nur, weil mir grad keiner mehr einfällt.)

Ausgestellt sind primär die Fortpflanzugsorgane von Tieren (von extrem vielen Tieren), darunter auch solche, die etwa so gross sind wie ich. Wobei es dann doch noch ein eingemachtes menschliches Exemplar gibt, das von einem grosszügigen Spender nach dessen Ableben gespendet wurde. Organspende mal anders. Es existieren scheinbar auch noch andere Personen männlichen Geschlechts, die ihr bestes Stück nach ihrem Tod jetzt schon testamentarisch dem Museum versprochen haben.

Ansonsten viele Gegenstände in Penisform, sogar das Thermometer an der Wand ist Schwanzförmig.

Ach ja, gemäss Homepage hat das Museum aktuell 214 EhrenmitGLIEDER… gnihihihi.

Tales from Iceland

Der letzte Stopp war eigentlich nicht geplant, aber auf dem Weg ins Pimmelsurium, äh, Sammelsurium der Schwänze kam ich an einem Trottoirsteller vorbei, der diese Tales from Iceland bewarb.

Es ist hier nicht wirklich ein „Museum“, sondern eher ein interaktives Erlebnis. Im Erdgeschoss hat es neben zwei kurzen Filmen über Island („12-Gruppe auf Wanderung“, „Familie mit 3 kleinen Kindern macht Camping“) eine Karaoke-Ecke mit dem härtesten Karaokesong der Welt, einem Vulkanemulator, einem VR-Erlebnis und einer Photo Booth. Im oberen Stockwerk laufen diverse, jeweils ca. 5-minütige Filme über Island (Vulkane, Menschen, Fussball, etc.), die sind in der Regel sehr interessant und oft auch witzig.

Obwohl das erst nach wenig klingt, bin ich doch über eine Stunde da drin. Aber nun wird es Zeit für den Weg ins Hotel. Ab morgen hat er wieder schönes Wetter, daher buche ich spontan noch eine spezielle Tour, auch wenn das bedeutet, dass ich schon sehr früh aus den Federn muss. Nacher mal sehen, wo ich was zu Essen finde, dann ab ins Bett.

Fototechnisch lief heute nicht sehr viel, Því miður.

Sofðu vel, Pascal