Mein dritter Tag in der nördlichsten Hauptstadt der Welt.
Der ewige goldene Kreis
Bereits am Vorabend habe ich das Wetter gecheckt und festgestellt, dass der Dienstag noch einigermassen trocken bleiben soll, es die folgenden zwei Tag aber ziemlich regnet. Daher habe ich spontan für heute eine ganztägige „Golden Circle Tour“ gebucht. Der goldene Kreis ist eine ca. 300 Kilometer lange, beliebte Reiseroute in Süd- und Südwestisland, bei der man an einem Tag mehrere Sehenswürdigkeiten sehen kann.
Da ich mitten in der Nacht einmal aus dem Bett musste (dämliche Blase) bin ich nicht ganz so ausgeschlafen wie erhofft. Ich bin auch viel zu früh wach, mag dann aber doch nicht mehr im Bett liegen, daher hüpfe ich unter die Dusche und setze das Bad diesmal gleich vollends unter Wasser.
Vom Frühstücksbuffet frisch gestärkt mache ich mich warm eingepackt auf den Weg. Ich bin zwar ca. 2 Stunden zu früh dran, will aber noch etwas an der Küste entlang laufen und nach schönen Motiven ausschau halten. Leider hat das Wetter etwas dagegen und null-komma-plötzlich giesst es wie aus Eimern. Fix das Regenkondom über den Rucksack und die schnellste Route zum Treffpunkt gesucht. Es wird dort ja wohl etwas zum unterstehen haben (hat es nicht) oder der Bus wird frühzeitig dort bereit stehen und uns aufladen (wird er nicht).
09.45h bin ich am Treffpunkt, Tourstart ist für 10.30h vorgesehen. Nach 10 Uhr stehe ich nicht mehr ganz alleine im Regen. Um 10.40h fährt dann endlich der Tourbus vor und wir machen uns auf ins Trockene. Unser Tourguide, Torfi, wird uns die ganze Zeit spannendes über Island und die einzelnen Wegpunkte erzählen.
Bevor wir die erste Sehenswürdigkeit sehen, folgt eine 40-minütige Fahrt nach Hveragerði zwecks Pinkel- und Verpflegungspause. Ich nutze die Zeit für ein paar Landschaftsaufnahmen, leider ist die Sicht begrenzt.
Nach 20 Minuten sind alle wieder an Bord und wir steuern unser erstes richtiges Ziel an:
Kerið
Bei leichtem Nieselregen kommen wir bei diesem 3000 Jahre alten Vulkankratersee an. Kaum stehen wir im Freien, scheint der Wasserhahn zugedreht. Was für ein Glück! Der Eintritt ist in unserem Tourticket inbegriffen, ansonsten kostet es ISK 400.00. Man kann via Treppe bis zum See hinuntersteigen oder um den Krater herumlaufen. Letzteres reicht zeitlich nicht, da wir nur 20 Minuten hier sind, was schade ist, denn schlussendlich ist es der einzige Posten, bei dem das Wetter gut mitgespielt hat. Zwar immer bewölkt, aber trocken, und die tollen Farben kamen auch so prima zur Geltung.
Die 20 Minuten sind viel zu schnell vorbei, wir setzen unsere Fahrt fort. Nächster Halt:
Gullfoss Wasserfall
Unterwegs machen wir noch einen kleinen Zwischenhalt, wo man Islandponyspferde füttern und betatschen kann. Ich bleibe im Bus, habe ich doch Pferde am Liebsten auf dem Teller (sorry, Ursi :-p).
Bald sind wir am Wasserfall, der Parkplatz ist stark gefüllt. Torfi führt uns zum fallenden Wasser, allerdings ist der Nebel so dick, dass man nicht wirklich viel sieht. Der Autofokus in meinem Objektiv hat dermassen Mühe, einen vernünftigen Fokuspunkt zu finden, dass er bei gewissen Brennweiten gleich in Generalstreik geht.
Insgesamt gibt es zwei Aussichtspunkte, einen am Fuss des Wasserfalls und einen etwas höher. Wir dürfen 40 Minuten hier verbringen, was nicht viel bringt. Wären wir doch besser länger beim Krater geblieben. Ich nutze die restliche Zeit für eine Pinkelpause und verziehe mich in den warmen Reisecar. Unser nächstes Ziel ist nur wenige Minuten entfernt:
Der grosse Geysir
Auf dem Tourplan steht tatsächlich „Grosser Geysir“, was aber nicht wirklich stimmt, denn der Namensgeber sämtlicher Geysire ist nur gelegentlich aktiv. Stattdessen warten wir vor dem benachbarten Geysir „Strokkur“, welcher zuverlässig ca. alle 10 Minuten ausbricht. Nicht immer mit der gleichen Intensität, manchmal ist es nur ein Geysirchen. Den genauen Zeitpunkt des Ausbruchs kann man als Zuschauer nicht wirklich erraten, daher spielt auch etwas Glück mit. Die Kamera minutenlang vor dem Auge zu halten geht ziemlich in die Arme. Und nimmt man sie dann mal kurz runter… Ja, DANN geht er los.
Man kann im Gebiet etwas herumwandern und die vielen Quellen bewundern, leider ist auch hier der Nebel ein stetiger Begleiter. Trotzdem konnte ich ein paar Ausbrüche einigermassen einfangen.
Hier haben wir auch genügend Zeit fürs Mittagessen (es ist ja erst ca. 15 Uhr), daher hocke ich mich in die Kantine und würge einen Burger mit kalten Pommes herunter. Punkt 16 Uhr sind alle wieder versammelt und wir starten zum 40 Minuten entfernten letzten Punkt unserer Reise:
Þingvellir
Der Nationalpark befindet sich genau im Grenzbereich der zwei tektonischen Platten (Eurasian und Amerika). Die beiden Platten driften auseinander, was man an der Landschaft mit ihren imposanten Felsspalten und Rissen sieht. Uns steht eine 20-minütige Wanderung bevor, bei der wir die wunderschöne Landschaft bewundern können. Der Nebel hat sich auch ein wenig zurückgezogen.
Das war unser letztes Ziel. Alles in Allem eine sehr schöne Tour, leider hatte das Wetter nicht immer Mitleid mit uns. Die zwei Posten ohne Regen und Nebel waren daher am beeindruckendsten und fotografisch am interssantesten.
In knapp 45 Minuten erreichen wir Reykjavik und werden abgeladen. Ich mache mich auf den Weg ins Hotel, um mich fürs Abendessen umzuziehen. Da ich heute doch wieder eine schöne Strecke zu Fuss zurückgelegt habe (inkl. der morgendlichen Wanderung im Regen), mag ich nicht mehr allzu lange raus. Ich suche deshalb ein Restaurant in der Nähe und stopfe mich mit Fajitas voll.
Wie gehabt folgen unten ein paar Schnappschüsse (leider inzwischen gelöscht, ich Depp.)
Bless bless, Pascal
