Mein fünfter Tag in Reykjavik.
Beim gestrigen herumschlendern zwischen zwei Museumsbesuchen lief ich einem Trottoirsteller für eine interessante Tour über den Weg. Diese Tour habe ich dann gleich am Abend Online gebucht. Beim Blick in meine Prepaid-Kreditkarten-App am gleichen Abend hatte ich dann einen kleinen Schreck, da der Saldo plötzlich so stark geschrumpft ist. Ich hatte den Preis nicht wirklich angeschaut und das Ding war recht teuer. Tja, jetzt muss ich mein Budget halt etwas aufstocken. Hoffentlich ist die Tour es wert.
Heute Morgen muss ich früh raus, da ich zwischen 07.30h und 08.00h abgeholt werde. Lust auf Frühstück habe ich keine, daher mache ich mich nach der erfrischenden Dusche gleich auf an die frische Luft. Bereits um 07.40h hält ein kleiner Bus vor mir und bringt mich zum entsprechenden Busterminal. Dort werden nach und nach noch andere Tourgäste aus diversen Stadtteilen angekarrt. Schlussendlich sind wir knapp 15 Nasen und steigen in einen kleinen Bus ein. Punkt 8 Uhr startet unsere Reise…
… towards the center of the earth!
Etwas übertrieben, der Slogan, aber der steht so auf der Homepage des Organisators (auf welche ihr kommt, wenn ihr auf den Text klickt. Wie übrigens bei den meisten Zwischentiteln.). Die knapp 30-minütige Busfahrt bringt uns zu einer Skihütte (welche natürlich im Sommer nicht als Skihütte benutzt wird, duh), wo wir von unseren zwei Tourguidinen begrüsst werden. Zudem erhält jeder ein kostenloses Bandana, was sich auch als Halskrause benutzen lässt. Praktisch, denn der Reissverschluss meines Pullis reibt ständig an meinem Kinn.
Zuerst steht eine 40-minütige Wanderung durch ein Lavafeld an. Leider ist der Nebel so dicht, dass man nicht zu weit sieht. Aber das, WAS man sieht, ist sehr beeindruckend. Alles um uns herum war früher mal glühende, heisse Lava.
Der Weg ist gut präpariert und darf nicht verlassen werden (Naturschutz und so). Gegen Ende der Strecke geht es ein wenig bergauf *keuch*, was aber einem *keuch* geübten Wanderer *keuch* wie mir nichts ausmacht *doppelkeuch*.
Wir erreichen das Base Camp und werden vom „Hüttenwart“ (also Base Camp Leiter, aber ich deutsch das mal ein) begrüsst, der uns ein witziges Safety Briefing gibt, während wir gemütlich Kaffe, Tee und heissen Kakao (Marke: Swiss Miss) schlürfen. Dann werden wir in drei kleinere Gruppen aufgeteilt, damit wir gestaffelt ins „Erdinnere“ vordringen können.
Nach knapp 20 Minuten ist auch meine Gruppe 3 an der Reihe. Wir erhalten unsere Sicherheits-„Gstältli“ (mir fällt grad das deutsche Wort dafür nicht ein) und unseren Helm. Einen kurzen Bergaufspaziergang später sind wir an unserem Ziel: Dem Vulkan Thrihnukagigur. Der letzte Ausbruch ist über 4’000 Jahre her und wir alle hoffen, dass er nicht gleich heute erwacht, denn niemand hat Cervelat zum Bräteln dabei.
Mittels eines Korbliftes werden wir die ca. 700 Fuss (210 Meter) in den Krater gelassen. Unten angekommen können wir uns etwa 30 Minuten lang den vorgegebenen Pfaden bewegen. Die Wege erinnern mich an unsere typischen Bergwanderwege, nur mit etwas mehr Steinen im Weg. Natürlich gibt es Kandidatinnen (ja, explizit die weibliche Version), die mit ihren Stadtschühlein erschienen sind und sich daher nur begrenzt bewegen können. Immerhin ist keine in High Heels erschienen, auch wenn der Anblick sicher witzig wäre.
Der Anblick im Krater ist schlicht und einfach #breathtaking. Dank aufgestellter Scheinwerfer kommen die Farben der Felsen gut zur Geltung. Es ist schwierig, dies in Worte zu fassen, denn alleine der Gedanke, dass an genau dieser Stelle, wo ich stehe, vor langer Zeit heisse Lava blubberte, ist aufregend. Ich konnte ein paar Fotos schiessen und hoffe, diese bringen das Ganze etwas besser zum Ausdruck.
Die Zeit vergeht viel zu schnell, bald stehen wir alle wieder im Körbchen und fahren 6 Minuten nach oben, wo der Krater immer enger wird. Schnell zurück ins Base Camp, mit frischer isländischer Lammsuppe gestärkt und den 40-minütigen Rückmarsch angetreten. Ich bin etwas vor der Gruppe abgelaufen und konnte einige Minuten lang die komplette Stille in den Lavafeldern geniessen. Kein Verkehr, kein Flugzeug, keine Menschen, keine Tiere. Just me.
Da sich der Nebel etwas zurückgezogen hat, kann ich die Kamera noch etwas arbeiten lassen. Zurück an der Skihütte werden wir wieder in den Bus verladen und zurück nach Reykjavik chauffiert.
Da ich so langsam Hunger habe (die Supper war lecker, macht aber nicht satt) lasse ich mich Downtown absetzen. Um 13 Uhr sind die Restaurants schon ziemlich leer, daher war die Suche einfach.
Einen feinen Lammburger später (ja, schon wieder Lamm. That shit’s delicious!) stehe ich wieder draussen und schlendere über den Laugavegur. Das Wetter hellt so richtig schön auf, daher bleibe ich vorerst in der Stadt, obwohl ich noch dick eingepackt bin.
Museum of Photography
Das Fotografiemuseum habe ich gestern nicht gefunden, heute stand ich plötzlich davor. Es ist nicht sehr gross, nur ein einzelner Raum, aber mit der City Card komme ich gratis rein. Gezeigt werden Fotografien von diversen Künstlern, allerdings jeweils nur eine Hand voll. Es hat ein paar interessante Motive dabei, aber ich bin froh, hier nichts bezahlt zu haben und verziehe mich wieder.
Da so langsam die Sonne durchdrückt, kaufe ich mir einen Eisbecher. Zwar in der Grösse „small“, aber das Ding ist trotzdem so gross, dass ich mich frage, wie gross denn „large“ sein soll. Die nächsten 15 Minuten schlendere ich Eis löffeln kreuz und quer durch die Strassen und lasse alles auf mich wirken. Die Stadt gefällt mir immer besser.
Da ich in der Nähe des Konzerthauses „Harpa“ bin, schaue ich dort mal vorbei. Ein sehr schöner Bau, der in der Nacht mit Lichteffekten glänzt. Sobald keimt in mir eine Idee für ein paar Nachtaufnahmen. Hoffentlich bleibt das Wetter die nächsten paar Abende so schön.
Die Harpa ist direkt am Wasser, deshalb laufe ich der Küste entlang und lasse die Kamera ihre Arbeit machen. Hier und da hat es grössere Ansammlungen von „Steinmannli“ (aufeinandergestapelte Steine), mit ein wenig verrenken enstehen so schöne Motive. Da der Boden trocken ist, kann ich ein paar interessante Blickwinkeln im Sitzen ausprobieren, sehr zur Belustigung der umstehenden Touristen. Ha. Ha.
Es wird Zeit, ins Hotel zurück zu kehren, den heutigen Tagebucheintrag zu schreiben und mich kurz frisch zu machen. Mein Tag allerdings ist noch nicht vorbei 😉 Nachdem ich mich auf die Jagd nach etwas Essbarem gemacht habe, geht’s nochmals raus. Wohin? Lasst euch überraschen. Aber weil wir wohl erst nach Mitternacht daheim sind, nehme ich das ins morgige Tagebuch auf.
Bis dann. Pascal
