Reisen

Stockholm 2018 – Tag 4 – Donnerstag

Willkommen zu meinem Reisetagebuch. Eine ganze Woche lang statte ich der schwedischen Hauptstadt einen Besuch ab.

Halbzeit hier in Stockholm, drei Tage vorbei, drei Tage bleiben noch.

Da ich gestern etwas später ins Bett bin aufgrund meiner kleinen Fotosession, bin ich heute eine Stunde länger liegen geblieben. Am Wetter hat’s nix geändert, es ist noch immer so grau und neblig wie bisher, aber da selbst das dem lieben Petrus langsam zu langweilig wurde, gibt’s als Bonus noch ein paar Regentropfen. Danke, Petrus. Und f*ck you. Die Kamera bleibt darum heute komplett zuhause.

Der heutige Tag wird theoretisch sehr relaxed und gemütlich, da ich nur zwei Museen auf der To-Do-Liste hab. Die beide auch noch direkt nebeneinander stehen. Aber da Theorie und Praxis oft so viel gemeinsam haben wie Einkaufsliste und Kassenbeleg… ach, you’ll see…

Aber bevor es richtig losgeht, muss ich erst meine Travel Card wieder aufladen, da das 72-Stunden-Ticket am Mittag abläuft. Das schaffe ich am Automaten, ganz alleine.

Vom Hauptbahnhof muss ich mit dem Bus nach Osten, aber erst muss ich den Bus finden. Zum Glück gibt es da die tolle SL-App, die mir neben dem Fahrplan auch gleich noch anzeigt, wie ich zur richtigen Bushaltestelle komme. Die ist, so stellt sich heraus, gleich auf der anderen Strassenseite, was man auch sieht, wenn man die Augen aufmacht.

So, auf Bus warten, Bus kommt, in Bus einsteigen, hinsetzen, so weit, so gut. Noch immer ist alles gemütlich. Bis zur zweiten Haltestelle, wo nämlich eine ganze Schulklasse einsteigt. Und nicht leise, geordnet. Sondern laut, chaotisch. Und das hält auch im Bus so an, die ganze Fahrt. UND JETZT RATET MAL, WOHIN DIESE LÄRMENDEN, SCHREIENDEN TEENIES UNTERWEGS SIND… (Tipp: Es ist KEIN Justin Bieber Konzert).

Meine Hoffnung zu dem Zeitpunkt: Am Zielort befinden sich mehrere Museen in unmittelbarer Nähe zueinander. Vielleicht wollen die ja gar nicht in „meines“… Aber ich bin dann doch Realist: Die meisten davon sind wohl für Schulklassen weniger interessant, bleibt nur noch das Technikmuseum, und dort will ich ja auch hin.

„Aber Pascal, du hast doch gesagt, du hast ZWEI Museen auf der Liste. Wieso gehst du denn nicht zuerst in das andere? *liebguck*“ WÜRD ICH JA, ABER DAS HAT ERST UM 12 GEÖFFNET *heul* Und bei allen anderen Museen dort gilt der Stockholm Pass nicht, und ich zahl‘ keinen Eintritt für etwas, was mich nicht interessiert. Punkt. Darum muss ich da wohl durch. *seufz*

Es ist kurz vor 10 Uhr, das „Teknista museet“ öffnet bald, darum schaue ich mich draussen noch ein wenig um. Es hat hier bereits ein paar interessante Schautafeln und Experimente, wie ein kleines Labür… Labhyr… Lahbyr… ein kleiner Irrgarten, Zeugs zum herumkraxeln und herumhüpfen, und auch Sachen zum Krach machen. Und „laute Schulklasse“ plus „Zeugs zum Krach machen“ ergibt? Genau… *doppelseufz* (gut, das Zeugs wäre eigentlich, um Musik zu machen, aber erklär das mal ein paar Teenies).

Endlich ist geöffnet, also rein und Stockholm Pass gezeigt. Die ersten zwei Ausstellungshallen zeigen einen reichhaltigen Mix aus technischen Gegenständen, von Staubsauger über Kamera über Computer über Haushaltsgeräte über Verhütungsmittel über Kühlschränke und so weiter. Auch ein altes Flugzeug hängt in der Luft. Alles in Allem ein paar interessante Gegenstände, aber jetzt nichts, was mir bleiben würde, da halt keine Interaktion möglich ist (es hätte wohl zwei Sachen gegeben, bei denen man hätte Hand anlegen können, aber die haben beide nicht funktioniert.).

Im Untergeschoss wird es etwas interessanter. Hier wird die Geschichte des schwedischen Minenbaus erzählt. Es gibt auch einen kleinen Simulator, wo man ein Minenfahrzeug durch einen Höhle steuern kann. Nur Gas geben und steuern, ist aber spassig. Hätte euch gerne ein Video davon gezeigt, aber man sitzt etwas zu nah am Bildschirm. Sonst hättet ihr sehen können, wie souverän ich das Ding da durchgeschlängelt habe, ohne auch nur einmal gegen die Felswand zu knallen. Gaaaaanz ehrlich.

Ein weiterer Abschnitt namens „Megamind“ (oder so) lädt zum experimentieren ein. Grundsätzlich geht es um das menschliche Gehirn, und an ziemlich vielen Stationen kann man selbst aktiv werden. Musik erschaffen, durch einen stockfinsteren Gang laufen und sich nur durch Gehör und Tasten orientieren, mittels Gehirnwellen etwas bewegen oder an einem „Ideengenerator“ eine Idee formulieren und irgendwo hinschicken (keine Ahnung, wo die landet. Mein Vorschlag: Bäume/Pflanzen, die Wi-Fi-Signale ausstrahlen. Dann würden wir wieder viel mehr Bäume pflanzen, im Gegensatz zu jetzt, wo wir Wald für Wald abholzen, weil sie nur so was Unwichtiges prodzuieren wie Sauerstoff“). Leider ist hier sehr viel los, denn auch beim herumexperimentieren muss ja unbedingt ein möglichst hoher Lärmpegel produziert werden.

Eine Halle weiter ist es noch schlimmer, das tu ich mir nicht an. Also ab ins Restaurant (solange es dort noch ruhig ist) und meinen Hunger stillen. Zum ersten mal diese Fleischbällchen, yammi.

Als ich draussen bin, merke ich, dass es noch andere Räume gehabt hätte. Mist, zu spät. Aber vermutlich sind dort auch schon ganz viele Kinder. Das Museum war jetzt nicht gerade ein Reinfall, aber wenn es ruhiger gewesen wäre, hätte es sicher viel mehr Spass gemacht, und ich wäre wohl noch viiiiiiel länger dort geblieben. (Aber ich hätte jetzt mal wieder Lust auf das Technorama Winterthur… Hmm… Ich hätte ja nächste Woche noch Urlaub…)

Aber das Timing stimmt immerhin, denn es ist 12 Uhr, das Polizeimuseum öffnet. Schnell rein, dank Stockholm Pass kostenlos.

Dann relativ schnell ein kleiner Schreck: Das erste Museum, das NUR schwedische Beschriftungen bietet. Arë yöu kidding më? Ich rechne mal, ich bin hier schnell wieder raus. Auf der ersten Etage ist diverer Polizeikrimskrams ausgestellt, alte Ausrüstung, ein Polizeiauto zum Einsteigen, Uniformen, etc… Evtl. gibts noch Infos, aber da alles schwedisch ist, versteh ich nur Bahnhöf.

Dann halt noch schnell einen Stock höher, und siehe da: Englische Beschriftung! Wenn auch nicht konsequent an allem, aber immerhin. Ein paar Infos zu vergangenen Mordfällen, die gelöst wurden, mitsamt dazugehörigen Beweismitteln. Zudem mehrere Posten, an denen Polizeieinsätze in der Vergangenheit beleuchtet werden.

Dank den Ausstellungen im 2. Stock samt teilweise englischen Beschriftungen wird das also doch noch ein interessanter Besuch. Hiervon hätte ich gerne mehr.

Es ist nun also kurz vor 13 Uhr und mein Programm ist schon abgearbeitet, da ich viel schneller aus dem Technikmuseum raus war als angenommen. Was nun? Spontan beschliesse ich mich für einen Besuch im Nordischen Museum sowie de Vasa-Museum. Beide liegen direkt beieinander und sind mit Stockholm Pass gratis. Der Weg dorthin beträgt knapp 2 Kilometer, und da der Regen zwischenzeitlich aufgehört hat, motiviere ich mich, den Weg zu Fuss zurückzulegen. Der Spaziergang führt am Wasser entlang, es ist wunderbar ruhig, der Stadtlärm ist weit entfernt. Es sind nur einzelne Jogger und Spaziergänger unterwegs.

Das nordische Museum sieht aus wie ein Schloss aus der Renaissance. Innen dominiert die grosse Halle, man fühlt sich fast wie in einer Kirche, vorallem der Akkustik wegen. Auf drei Etagen gibt es verschiedene Ausstellungen zu Traditionen, Folklore, Leben in den 40ern und 50ern, und und und. Am interessantesten ist ein Nordlichtsimulator: Zuerst steht man einen Moment im Dunkeln, um die Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen, dann geht es einen Raum weiter, wo die Aurora Borealis samt Sternenhimmel auf eine Leinwand projeziert werden. Natürlich inklusive Volldepp à la „Es ist so dunkel hier, ich muss mein Natel einschalten“…

Letzter Halt für heute: Das Vasa-Museum. Die Vasa war ein Schiff, das 1628 zu Beginn ihrer Jungfernfahrt sank. Also quasi die Titanic Schwedens, nur dass die Titanic wenigstens den halben Atlantik überqueren konnte, während die Vasa nach knapp 1’000 Meter schon schlapp machte (und das alles ohne Eisberg). Das Schiff wurde 1961 gehoben und mehrfach restauriert und ist in seiner Gänze im Museum zu bestaunen. Nebenbei gibt es diverse Informationen über das Leben an Bord, den Untergang, die Bergung. Das Museum ist recht dunkel, aber schön leise.

So langsam protestieren meine Beine. Sie mussten die letzten Tage meine über 100 KG viele Kilometer weit tragen und möchten nun eine Pause. Den Weg in die Innenstadt lege ich trotzdem noch zu Fuss zurück, ich Masochist. Aber ich bin froh, als ich mich im Hotel endlich hinlegen kann.

Zum Abschluss noch ein paar Schnappschüsse von heute. Je nach Wetter schnappe ich mir am Abend nochmals meine Kamera. Aber mein Hauptprogramm für heute ist erledigt. ICH bin erledigt. Morgen dann bitte wirklich etwas relaxter, gell?

Cya, Pascal