Mein Herbsturlaub führt mich diesmal nach Island, genau gesagt in die Hauptstadt Reykjavik.
Why Reykjavik?
Eigentlich bin ich ja nicht wirklich ein „Reisefüdli“ und in der Regel reicht es mir, wenn ich alle zwei Jahre oder so für eine Woche ins Ausland verschwinden kann. Nach dem letztjährigen Besuch Stockholms wäre deshalb dieses Jahr „Heimaturlaub“ angesagt gewesen. Aber da ich im letzten Jahr mein 15-jähriges Jubiläum bei meinem Arbeitgeber feierte und deshalb neben einer zusätzlichen Ferienwoche auch einen ganzen Batzen Geld an die Reisekosten vergütet erhalte, was alles bis spätestens Ende 2019 eingelöst werden muss, war die Sache klar: Ich flieg‘ irgendwo hin!
Das Ziel war relativ schnell eingegrenzt: Irgendwo in den Norden musste es gehen. Oslo und Stockholm kenne ich schon, Kopenhagen ist zu nahe dran. Erst zog ich Helsinki in Erwägung, entschied mich aber schlussendlich für die isländische Hauptstadt, weil:
- Weit genug weg, dass es sich lohnt
- Weit genug nördlich, dass man eine Chance auf Nordlichtsichtung hat, ohne irgendwo mit einem Mietauto in die Pampa zu fahren.
Der einzige Direktflug im Herbst wird durch Icelandair angeboten, da die Edelweiss diese Destination nur saisonal im Sommer bedient. Also musste ich mich nicht lange mit der Suche nach dem passenden Flug beschäftigen. Stattdessen stellte sich mir die Frage nach der Buchungsklasse. Auf dem letztjährigen Stockholm-Trip hatte ich ja Businessluft schnuppern können und war ganz angetan. Sollte ich es mir wieder gönnen? Ich krieg‘ ja was dranbezahlt, also: JA! Business-Class it is! (Oder Saga Premium, wie das bei der Icelandair heisst.). Ich werde ja deswegen sich nicht völlig abheben sondern bleibe ganz bescheiden. Als Flugzeugtyp war die Boeing 737 MAX 8 angegeben, aber aufgrund des weltweiten Groundings rechnete ich schon damals mit einer 757.
Beim Hotel habe ich ein wenig länger gesucht. Je näher am Stadtzentrum desto teurer, daher habe ich das Reykjavik Lights by Keahotels etwas nordöstlich gebucht. Dank guten ÖV-Verbindungen bin ich trotzdem in 15 Min. im Zentrum.
Tschüss Schwiiz!
Es ist Sonntagmorgen, 6 Uhr früh, ich habe die Nacht kaum geschlafen, trotzdem klingelt der Wecker gnadenlos. Ein Teil von mir will liegen bleiben, ein anderer Teil ist vernünftiger und schickt mich schlafwandelnd unter die Dusche. Nach dieser Erfrischung bringe ich die Augen einigermassen auf, ziehe mich an und prüfe nochmals mein Gepäck. Zum x-ten mal. Habe ich alles dabei, was ich brauche (Papiere, genug Kleider, Kameraequipment)? Habe ich nichts dabei, was ich nicht mitnehmen darf (scharfe Messer, gefährliche Flüssigkeiten, Atomsprengkopf)? Um 07.35h geht’s auf den Zug zum Flughafen. Es würde auch eine Stunde später noch passen, aber ich kann nicht mehr zu Hause rumhocken.
Ankunft am Airport, es folgt die Suche nach dem Bag Drop-Schalter. Den kenne ich eigentlich, merke aber, als ich davor stehe, dass der nur für „Swiss und Partner“ ist. Also kehrt gemacht und wieder zurückgezottelt an den Check-In-Schalter der Icelandair beim Check-In 2. Dort ist dann tatsächlich auch ein separater Bag Drop angeschrieben. Die Leute vor mir traben aber mitsamt Koffer wieder weg, sind die etwa zu doof und stehen allesamt am falschen Schalter? Nein, das Förderband streikt, wir müssen die Koffer in die Mitte der Halle bringen, wo ein paar Wägelchen bereit stehen.
Nach einer kurzen Znünipause geht es zur SiKo, wo ich dank meiner Buchungsklasse in die kürzere Business-Linie darf, wo es schnell vorwärts geht. The perks of flying business class!
Ich muss noch ein paar Minuten warten, bis mein Gate bekannt ist, aber bald geht es Richtung A67. Dort steht aktuell noch eine Swiss, die aber bald verschwindet. Praktisch pünktlich um 12.00h rollt der Hinflug aus dem Norden um die Kurve, dockt an und entlässt seine Payload in die Freiheit. Nach 30 Minuten beginnt unser Boarding. Es scheint kein Priority-Boarding für Business-Classer zu geben, also stelle ich mich halt mit dem gemeinen Pöbel in die Schlange. Macht aber nix, denn eingestiegen wird nicht über die Türe ganz vorne, sondern über die „2L“, die genau zwischen Business- und Economy-Class ist, d. h. ich kann im Flugzeug direkt nach links in die leere Business während das niedere Volk rechts im Stau steht. The perks of flying business class (in a 757).
Zum Flugzeug: Unser heutiges technisches Wunder stammt aus dem Hause Boeing, ist eine gut 20-jährige 757-200 mit der Immatrikulation „TF-ISV“ und dem Taufnamen „Grábrók“ und somit nach einem 3000 Jahre alten isländischen Krater benannt. Nunja, ich hoffe mal, dass die Maschine nicht als ein solcher enden wird. Ursprünglich von Ibéria gekauft und Santo Domingo getauft, diente sie diversen Eigentümern bis sie schliesslich seit 2016 – von AerCap geleast – für die Icelandair Mensch und Fracht umherbefördert.
Die Leute sind an Bord, pünktlich um 13.00h wären wir bereit für den Pushback… „wären“, denn tun tut sich erstmal nichts. Nach einigen Minuten die Durchsage aus dem Cockpit, dass sich der Abflug aufgrund eines schlechten Slots etwas verzögert. Schlussendlich wird es 13.32h, bis wir uns endlich bewegen. Nach kurzem taxi und line-up stehen wir auf der Piste 28. Um 12.47h lärmen die zwei Rolls-Royce RB211-535-Triebwerke auf und wir bewegen uns zügig vorwärts. Ziemlich genau am Pistenkreuz hebt sich unsere Nase und wir sind in der Luft.
Bald sind wir über einer dicken Wolkendecke, daher schliesse ich die… die… „window blinds“… (wie heissen die Scheissdinger auf deutsch???) und erforsche das In-Flight-Entertainment-Programm. Ein paar Serien, Filme, Musik, Fluginfo, Shop, das war’s auch bald. Daher stülpe ich mir die kostenlosen, sehr gut lärm-dämmenden Kopfhörer über (the perks of flying business class) und schaue „Shazam!“.
Immer wieder gibt es Getränke und bald kommt auch das Essen. Ich habe bereits bei der Buchung Lamm vorbestellt. Sieht fein aus, ist aber etwas zäh. Trotzdem nicht zu verachten! The perks of flying… OKAY, OKAY, ICH HÖRE JA SCHON AUF DAMIT!
Der ganze Flug ist ziemlich ruhig, nur nach Verlassen der schottischen Küste fängt es für ein paar Minuten an zu schaukeln. Leider ist immer mal viel Bewölkt, und spätestens beim Anflug auf Keflavik wird mir bewusst, dass ich auf der falschen Seite sitze. Ich sehe nur den Atlantik anstelle Islands. Noted for next time.
Halló, Ísland!
Eine gute Landung, kurz danach sind wir am Gate 4. Das Gepäck kommt sehr schnell, mein Koffer ist ganz vorne mit dabei. The perks o… AUA, NICHT HAUEN, NICHT HAUEN, NICHT HAUEN!!! Den Transfer vom Flughafen in die Stadt habe ich schon vorher gebucht, ich schaffe es sogar noch in den aktuellen Car. Die Fahrt dauert eine gute Stunde und führt zum Busterminal in der Innenstadt. Von dort geht es mit kleineren Bussen zu den einzelnen Hotels. Das System haben nicht alle Fahrgäste kapiert, und wenn dann noch kaum vorhandene Englischkenntnisse dazukommen, wird es ganz schön interessant.
Trotzdem bin ich nun im Hotel, checke ein und beziehe mein Einzelzimmer. Oder, naja, Kämmerchen. Ist recht winzig. Aber was solls, ich bin ja nur zum schlafen und schreiben hier drin. Erst mal an der Reception noch eine 72-Stunden City-Card gelöst, dann in die „Pizzeria“ nebenan etwas essen. Ein Teil von mir möchte schlafen, aber es ist aktuell ziemlich mond- und wolkenlos, daher packe ich meinen Kamerarucksack samt Stativ und laufe dick eingepackt zur nächsten Bushaltestelle.
Mein Ziel: Der Leuchtturm im Westen der Stadt. Gemäss Gezeitentabelle ist dieser heute vom 22 – 2 Uhr zugänglich, da dann Ebbe herrscht. Beim Näherkommen fällt mir aber auf, dass dort schon ein ziemliches Treiben herrscht, daher suche ich mir etwas weiter vorne ein dunkles Plätzchen und stelle mein Equipment auf. Nachdem sich auch meine Augen etwas an die Dunkelheit gewöhnt haben, sehe ich tatsächlich schon ein paar Nordlichter. Sie sind nicht wirklich stark, aber es reicht für ein paar Fotos, wenn auch eher fade.
Nach knapp 45 Minuten rumstehen wird mir langsam kalt. Daher laufe ich den Fussgängerweg der Küste entlang, damit wir wieder warm wird. Das klappt gut. Anstatt an der nächsten Bushaltestelle zu warten, setze ich meinen kleinen Spaziergang noch etwas fort. Zwischendrin kommt mir noch ein schönes Motiv vor die Linse.
Schlussendlich nehme ich dann doch den Bus und lande kurz vor Mitternacht im Hotel. Zeit fürs Bett, Tag 1 ist durch. Jetzt noch schnell diesen Text hier tippen und dann… doch was ist das? Irgendwann neigt sich mein Laptopakku dem Ende zu. Jetzt muss ich schnell handeln, also fix das Kabel geholt und… Erinnert ihr euch, dass ich oben geschrieben habe, dass ich Angst hatte etwas wichtiges zu vergessen? Ich habe tatsächlich etwas vergessen… Nein, zum Glück nicht das Kabel, sondern den Adapter für die Steckdose… Fuuuuuuuuuu….. Daher muss ich am nächsten Tag erst mal einen besorgen, damit ich diesen ersten Tagebucheintrag beenden kann…
Ich hoffe, ihr hattet ein wenig Spass beim Lesen. Wenn ja, freue ich mich über einen Kommentar oder ein Like. Unten noch ein paar heutige Schnappschüsse.
Grüsse, Pascal




