Willkommen zu meinem Reisetagebuch. Eine ganze Woche lang statte ich der schwedischen Hauptstadt einen Besuch ab.
Es ist Freitaaaaag! So langsam neigt sich mein Besuch im Land der Elche und Möbel dem Ende zu. Nach den anstrengenden drei vergangenen Tagen will ich es heute auch mal etwas gemütlicher angehen. Zudem war ich gestern DOCH noch mit der Kamera draussen und habe mich vom Segels Torg bis in die Altstadt durch geknipst. Immer mit dabei: Ein kleiner Nieselregen. Die Kamera kam dann daheim brav ins trocknende Handtuch. Daher bleibe ich am Morgen wieder etwas länger liegen und bin so erst kurz vor 10 Uhr an der kühlen Stockholmer Luft.
Museumstechnisch bin ich mit Stockholm fertig und habe alle geplanten Einrichtungen besucht. Es bleibt lediglich der SkyView auf dem Ericsson Globe, der sich nur zwei Tramstops vom Hotel befindet. Die ganze Woche habe ich es immer aufgeschoben, in der Hoffnung, dass sich das Wetter bessert. Heute morgen denk‘ ich mir: „Ach, scheiss drauf, jetzt oder nie!“. Also ab ins Tram! Vor Ort versteckt sich allerdings die Spitze des Globe schon leicht im Nebel, also wird man von dort oben erst recht nicht weit sehen… Also Kommando zurück und ins nächste Tram Richtung Stadt.
Spontan steige ich schon in Gamla Stan aus, damit ich noch ein wenig kreuz und quer durch die schönen Gassen ziehen kann. Als ich am Königsschloss vorbeikomme, beginnt gerade die Wachtablösung, die Show lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Da fehlt nur das Popcorn. Neben mir höre ich plötzlich Leute in einem komischen Kauderwelsch sprechen, was sich dann als Schwiizerdüütsch herausstellt! Das erste Mal, dass ich hier Schweizern über den Weg laufe. Fühlt man sich ja fast wie Zuhause. (Na gut, Heimatgefühle hatte ich schon beim Anblick von coop-Filialen und Selecta-Automaten).
Leider gibt es um das Schloss herum einige Baustellen, sonst wäre es eine tolle Fotogelegenheit. Daher: Weiter im Takt.
Für heute habe ich mir eine kleine Schiffstour vorgenommen, denn auch hiervon gibt es ein paar kostenlose dank Stockholm Pass. Leider ist Nebensaison, und so sind gerade mal zwei Touren aktiv. Ich buche die rund 50-minütige „Royal Canal Tour“, welche um 10.30 Uhr startet und stelle mich brav in die wartende Schlange. Bald dürfen wir an Bord und das Boot fährt los (oder „schwimmt los“, wie auch immer). Die Fahrt führt uns einmal um die Insel Djugarden, die Infos erhalten wir mittels Kopfhörer in unserer gewünschten Sprache (bei mir natürlich deutsch, da sich schwedisch für mich noch immer so anhört wie die Sprache der Aliens aus Mars Attacks, einfach mit ein paar mehr „ö“-s). Alles in Allem relativ interessant und ein netter Zeitvertreib. Vorallem tut es gut, einfach mal herumzusitzen.
Ich will noch eine zweite Bootstour machen, aber die startet erst um 14 Uhr. Daher ziehe ich vorerst ziellos durch die Gassen, bis mich der Hunger in ein kleines Burgerrestaurant treibt. Frisch gestärkt ziehe ich wieder Richtung Altstadt (und sehe unterwegs den ersten Schnee des Winters – siehe Titelbild) und lasse die Kamera etwas arbeiten. Am Schloss findet schon wieder ein Wachtwechsel statt. Also diesmal flugs das Natel gezückt:
So langsam schleicht die Uhrzeit Richtung 14 Uhr, es wird Zeit, mal Richtung Dock zu wandern. Die Bootsfahrt – „Archipelago-Tour with Guide“ (und ich hoffe mal, auch mit Schiffskapitän, sonst wird es eine kurze Reise) – ist mit dem Stockholm Pass ebenfalls kostenlos. Karte gescannt, Ticket erhalten und rein in die warme Nussschale. Auf dem oberen Deck kann man raus, links und rechts hat’s Bänke. Zudem gibt es warme Decken, aber die braucht ein harter Kerl wie ich natürlich nicht.
Der weibliche Guide („Guidin“? „Das Guide-Girl“? „Guidoline“?) teilt uns jeweils auf schwedisch und englisch mit, was wir links und rechts vom Boot sehen. Verstehen tu ich da nicht viel, das Wasserrauschen ist sowieso viel zu laut. Wir bewegen uns ostwärts und passieren Insel um Insel. Fototechnisch gibt es immer mal wieder was abzulichten, von schönen Villen bis zu ulkigen kleinen farbigen Minihäuschen. Aber so langsam wird es doch kalt. Ziemlich kalt. Arschkalt, sozusagen. Zum Glück habe ich einen dicken Pulli und Thermounterhosen im Gepäck. Dumm nur, dass dieses Gepäck ordnungsgemäss in meinem Hotelzimmer liegt. Mein Koffer ist somit gut und warm eingekleidet.
Also hole ich mir am Bordkiosk ein Sandwich und etwas zu trinken, um mich drinnen kurz aufzuwärmen. Danach sofort wieder raus, bevor ich etwas verpasse. Nach gut einer Stunde haben wir das äussere Ende unserer Route erreicht, das Boot dreht und macht sich auf den Rückweg. Nicht exakt die selbe Route, also gibt es noch immer das eine oder andere schöne Motiv. Besser gesagt „gäbe“, denn nach 15 Uhr beginnt es ziemlich schnell, einzudunkeln. Und da meine DNA schon langsam der eines Eiszapfen ähnelt, ziehe ich mich definitiv in die Wärme zurück.
Nach insgesamt 2.5 Stunden prallt das Schiff wieder am Dock auf (also bildlich gesprochen natürlich) und das Deboarding („Debooting“? „Entschiffen“?) beginnt. A propos „schiffen“: Wo ist das nächste Klo??
Es ist 16.30 Uhr, dass Wetter ist zwar noch immer grau, aber immerhin ist der Nebel weg. Das lässt in mir die Hoffnung keimen, dass sich ein Besuch beim Globe inzwischen lohnt. Geöffnet hat er bis 18 Uhr. Also nichts wie rein in die nächste Metro!
Yes, die Kugel sieht schon viel besser aus als am Morgen, den Eingang finde ich auch, Stockholm Pass gezeigt und Ticket erhalten. Nach einem Einführungsfilm betrete ich als einziger Passagier eine der zwei Kugeln und die Fahrt nach oben beginnt. Hach, was für eine Aussicht, trotz Wolkendecke. Wie genial muss das denn bei schönem Wetter sein? Leider geht es viel zu schnell wieder langsam bergab, alles in Allem dauert der Spass 20 Minuten.
Unten angekommen habe kommt mir noch der Einfall, ich könnte das Ganze im Intervall fotografieren, dass gibt sicher ein tolles Zeitraffervideo. Ich muss mich aber beeilen, denn ich weiss nicht, wie oft sie noch fährt. Eine Kugel kam mir bei der Abfahrt schon entgegen, die will ich sicher drauf haben. Stativ ist natürlich keines im Gepäck, also muss meine Wollmütze als Unterlage herhalten. Mütze auf den Boden, Kamera drauf, so positionieren, dass der komplette Globe im Bild ist und das Ding gut 10 Minuten vor sich hin knipsen lassen.
Anschliessend geht es endlich zurück ins Hotel. Morgen auschecken, das Gepäck am Hauptbahnhof in ein Schliessfach packen und nochmals einfach so die letzten Happen Stadtluft schnuppern. Am Nachmittag dann Richtung Flughafen, wo ich mir einen langersehnten Traum erfüllen: Eine Übernachtung in einem Flugzeug, bevor es am Sonntag dann zurück in die Schweiz geht. Aber ich hoffe, ich habe morgen vor Ort noch die Gelegenheit für ein paar tolle Fotos.
