Reisen

Reykjavik – Montag

Tag 2 meines Aufenthaltes in der isländischen Hauptstadt.

Der erste richtige Tag

Guten Morgen Reykjavik! Nach einer guten Nacht in einem doch sehr bequemen Bett klingelt um 07.30h mein Wecker und schickt mich unter die Dusche. Aufgrund des sehr kuriosen Designs flute ich das halbe Bad und darf mich dabei selbst im Spiegel bewundern. Kein Anblick, den ich am Morgen brauche. Immerhin läuft der Spiegel schnell an.

Das Frühstücksbuffet ist recht klein aber einigermassen abwechslungsreich. Ein paar Brote, Zeugs zum draufschmieren, Fleisch (warm und kalt) und Käse, „Cerealien“ und sogar feine Mini-Donuts. Sollte jeder auf seine Kosten kommen. Bald bin ich satt und mache mich fertig für die erste Tageshälfte. Kamera frisch geladen und gepackt, das Stativ bleibt vorerst hier. Mein Plan: Am Morgen ein wenig die Stadt erkunden, nach dem Mittag das Stativ holen, damit ich es beim Eindunkeln gleich zur Hand habe.

Das Wetter ist schön, daher entscheide ich mich, den Weg in die Innenstadt zu Fuss zurückzulegen. Ziemlich schnell merke ich, dass man den Zustand der Fussgängerwege nur mit zwei Worten beschreiben kann: Arsch. Glatt. Für die Strecke, für die ich im Normalfall vielleicht 20 Minuten benötigen würde, brauche ich fast 40. Ich spür’s jetzt schon in den Beinen, denn dieses angestrengte vor-sich-hin-trippeln geht schnell an die Substanz. Noch geiler wird es, als ich bergauf muss, denn genau dort befindet sich mein erstes Ziel: Ein Elektroladen, bei dem ich einen Adapter für mein Laptopladekabel kaufe. Ein kleiner Laden namens Íhlutir. Etwas chaotisch eingerichtet, er hat aber diesen Charm, den kleine private Läden haben, wenn der Besitzer mit Herzblut dabei ist.

Ich „freue“ mich schon auf die Rutschpartie auf dem Rückweg nach unten, merke dann aber, dass es auf der anderen Strassenseite nicht ganz so rutschig ist. Jetzt schlendere ich gemütlich dem Laugavegur entlang, der Haupteinkaufsstrasse Reykjaviks. Es ist noch alles recht ausgestorben, viele Läden haben noch gar nicht geöffnet.

Ich laufe einfach mal blind drauf los, biege an einer Hauptstrasse links ab und stehe plötzlich vor einem kleinen See. Gemäss Google Maps der Reykjavikurtjörn. Er ist fast vollständig zugefroren, aber in einer Ecke tummeln sich ziemlich viele Enten und Schwäne. Zeit, meine Kamera ein wenig arbeiten zu lassen. Als sich dann noch jemand erbarmt, die Tiere zu füttern, wird diejenige von den Tieren schlimmer belagert als Justin Bieber an einer Autogrammstunde mit pubertären Teenies. Ob die schonmal jemanden zu Tode gepickt haben? (Die Schwäne, nicht die Teenies!).

Ich laufe gegen den Uhrzeigersinn um den See und lasse die Kamera klicken. Ein paar Wagemutige trauen sich aufs Eis (später entdecke ich sogar Schlittschuhfahrer), inklusive einer jungen Möchtegerninfluencerin, die sich in ihren löchrigen Jeans (Mädel, es ist kalt, verflucht nochmal!) in stylische Posen schmeisst und von ihrer Mutter (?) fotografieren lässt. Das dauert ein paar Minuten, da sie scheinbar nie ganz zufrieden ist. Ich schaue dem Treiben aus der Ferne zu, aber da sich nichts interessantes ergibt (sprich: sie sich nicht unfreiwillig auf die Schnauze legt) ziehe ich weiter.

Es wird endlich Zeit für einen Besuch in der Hallgrimskirkja. Der auffällige, hohe Bau ist von vielen Orten aus zu sehen und von meinem jetzigen Standort gar nicht weit weg. Aber den Anblick muss ich mir erkämpfen, denn es geht… bergauf! Im Trippelschritt schleiche ich mich die rutschige Strasse hoch, einen Fuss vor den anderen, und versuche, den bergabrutschenden Passanten auszuweichen wie der Jumpman den Fässern von Donkey Kong. Gut, so dramatisch ist es nicht.

Oben angekommen staune ich ab dem futuristischen Bau, der ein wenig aussieht wie ein Raumschiff, oder wie… etwas anderes (ich sag‘ nur, die Kirche würde als Modell auch ins Phallusmuseum passen). Eine Umrundung später betrete ich den Vorraum, kaufe ein Ticket für den Turm und besteige den Schindler-Lift. Rauf in den 8ten Stock! Die Aussicht hier ist fantastisch, wenn auch aufgrund der vergitterten Fenster etwas eingeschränkt. Wieder unten noch schnell einen Blick in die Kirche selbst werfen (naja, ist halt ne Kirche… Bänke, Orgel, hohe Decke, boring) und wieder ab.

Die Strasse herunter komme ich wieder zum Laugavegur. Und zu einem kurzen Strassenabschnitt der in Regenbogenfarben gemalt ist. Ich schaue mich nach Go-Karts um, und aus irgendeinem Grund hätte ich Lust, eine Bananenschale auf die Strasse zu werfen. Wieso denn nur? 😉

Es geht gegen 12, mein Magen knurrt, und weil ich nicht ich bin, wenn ich hungrig bin, ich aber gerade auch kein Snickers zur Hand habe, muss halt ein richtiges Restaurant her. Schon beim ersten Durchlaufen der Einkaufsstrasse am Morgen ist mir ein Restaurant ins Auge gestochen, dass ich jetzt mal aufsuche. Das Old Iceland hat eine kleine aber feine Karte, zudem ist es ziemlich leer, so habe ich meine Ruhe. Nach dem wohl besten Salat, den ich je gegessen habe, und einen wunderbar zarten “ Lamb ribeye and slow cooked shoulder of lamb“, sowie einem Dessert stehe ich satt auf der Strasse und starte meinen Verdauungsspaziergang zur nächsten Bushaltestelle. Von da aus führt mich mein Weg erst mal zurück ins Hotel.

Ich muss nämlich noch den Tagebucheintrag von gestern beenden. Also Adapter ausgepackt, Laptop angeschlossen und ab an die Arbeit.

Kilometer um Kilometer…

Mein erster textlicher Erguss ist beendet und online, daher verlasse ich warm eingepackt und mitsamt Stativ das Hotel. Mit dem Bus geht es zum Flughafen Reykjavik, resp. etwas südöstlich davon. Von dort aus zu Fuss südlich am Flughafen vorbei. Hier gibt es eine schöne Aussicht auf das Meer, und auch die Sonne schaut ab und zu hinter den Wolken hervor. Flugzeugmässig ist nicht viel los, es starten hauptsächlich kleine Rasenmäher. Ab und zu mal ein Turboprop, aber das ist hier auch schon das grösste der Gefühle, da die „richigen“ Flieger alle in Keflavik verkehren. Snobs.

Wenn ich schon mal hier bin kann ich auch etwas für meine Cachestatistik tun, denn in den Felsen am Ufer ist tatsächlich einer versteckt. Nach ein wenig Suchen ist es ausgemacht und kann geborgen werden. Weiter geht es im Uhrzeigersinn um den Flughafen herum, mit kleineren Fotostopps, denn der Ausblick aufs Wasser ist trotz Wolkenwetter atemberaubend.

Nach dem Flughafen folge ich der Hauptstrasse nach Norden, komme wieder an dem kleinen See vorbei. Dieser wird einmal umrundet, dann stelle ich mich im Westen auf und warte auf die Dunkelheit. Bis dahin lasse ich die Kamera mal im Intervall laufen, eventuell gibt das ja was G’scheits.

Jetzt will ich nochmals zur Hallgrimskirkja und da ein wenig Fotografieren. Diesmal geht der Weg über den Laugevegur, der inzwischen gut belebt ist. Die beste Stelle ist schon besetzt (immer diese Asiaten, tsss), aber ich finde meine Plätzchen und kann ein wenig experimentieren.

So langsam habe ich genug. Meine Beine tun langsam weh, daher mache ich mich auf zum Bus-Hub und von da ins Hotel. Schnell mein Zeugs ins Zimmer geworfen und dann ab ins Restaurant nebenan. Aufgrund der mageren Karte entscheide ich mich für den Salat mit extra Chicken, welches dann auch das Beste am Ganzen ist. Der Rest ist nicht „schlecht“, halt einfach… „gesund“…

Zugabe!

Es ist noch zu früh fürs Bett, aber nochmals in die Stadt will ich nicht. Daher schnappe ich meinen Krempel und erkunde die Sportanlagen nördlich meines Hotels. Ice Rink, Fussballfelder, es gibt dort scheinbar einen Zoo. Natürlich hat jetzt alles geschlossen, aber der Spaziergang durch den menschenleeren Park ist fast entspannend (nur nicht für meine Beine).

So langsam merke ich aber, dass ich heute nicht so viel getrunken habe. Ich lasse mich durch Google Maps zu einem Supermarkt in der Nähe lotsen, wo ich Wasser und was zum Knabbern kaufe und dann an der Technik der Selbstbedienungskasse scheitere. Hjálp!

Jetzt noch zurück ins Zimmer, diesen Roman hier schreiben und dann ab ins Bett. Mein Schrittzähler zeigt heute stolze 32’662 Schritte und 25.2 Kilometer an.

Ich hoffe, ihr hattet ein wenig Spass beim Lesen. Wenn ja, freue ich mich über einen Kommentar oder ein Like. Unten noch ein paar heutige Schnappschüsse. (leider inzwischen gelöscht, ich Depp.)

Grüsse und good night. Pascal