Reisen

Reykjavik – Samstag

An meinen schon siebten Tag in Island steht eine laaaange Reise an.

06.30h. Sechs. Uhr. Dreissig. Der Wecker klingelt einmal mehr viel zu früh. Ich reibe mir den Restsand aus den Augen und schleppe mich unter die Dusche. 20 Minuten später bin ich trocken, 17.5 % wacher und angezogen. Und jetzt doch zu früh dran. Also haue ich mich noch einmal für 10 Minuten quer auf die Matratze. Voll angezogen.

Punkt 7 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Gray Line Busterminal. Das ist ein knapp 30-minütiger Spaziergang, die frische Luft tut gut. Ich komme gut voran, bin ca. 07.25h an meinem Ziel. Wachheitsgrad: 28.3 %

Rasch für meine Reise einchecken, ich bin der Erste. Ich warte draussen an der Luft, langsam trudlen die einzelnen Pick-Up-Busse mit den Gästen ein, die eine Hotelabholung gebucht haben. Als 07.45h unser Car vorfährt, schnappe ich mir einen Fensterplatz ganz vorne, um den Ausblick aus der grossen Frontscheibe zu geniessen. Punkt 8 Uhr sind wir vollzählig, der Bus ist zu ca. 75 % gefüllt. Á propos Prozent: Da es im Bus so schön warm ist, sinkt mein Wachheitsgrad wieder auf 21.7 %.

Endlich rumpelt unser Vehikel los und wir starten unsere lange Reise…

… and die Südküste bis zur Gletscherlagune Jökulsárlón

Während wir vor uns hinbrummeln, gibt unser Guide (dem erst auf der Rückfahrt auffallen wird, dass er sich gar nicht vorgestellt hat. Samuel, ursprünglich Schweizer, vor 12 Jahren nach Island ausgewandert. Frau. 2 Schlümpfe) immer mal wieder in etwas übertriebenem British-English („Hellööööüüüü. I häääve Informääätioooon fooor yööüüüü“) Informationen über die Landschaft und die Berge, die wir gerade passieren.

Nach gut einer Stunde Fahrt erspähen wir in der Ferne das erste Highlight, den bekannten, berühmten, berüchtigten Eyjafjallajökull (speak after me: „AY-uh-fyat-luh-YOE-kuutl-uh“. Ist doch ganz einfach. Und jetzt 10x schnell hintereinander). Dreissig Minuten später folgt die erste Pinkelpause in Hvolsvöllur. Zeit, sich ein wenig die Beine zu vertreten. Wachheitsgrad: 69.9 %.

Ein halbe Stunde später sind wir beim ersten „richtigen“ Zwischenstopp, dem Skógafoss Wasserfall. Ich mache mich mit meiner Kamera auf den Weg und kriege fast einen Herzinfarkt, als mein Objektiv streikt. Die Kamera selbst ist zwar spritzwasserfest, das Objekt selbst hat aber keine Dichtung, so das theoretisch am Bajonett Wasser eindringen kann. Hektisch wechlse ich zu einem anderen Objektiv. Puh, Glück gehabt, das funktioniert. Als ich allerdings durch den Sucher blicke, sehe ich einen kleinen Wassertropfen im Bild. Zum Glück ist dieser nur auf dem Spiegel und somit nicht auf dem fertigen Bild drauf. Im Bus wird dann alles schön getrocknet und geputzt. Durch das Adrenalin bin ich jetzt aber wirklich wach… 100 %!

Einen kurzen Hüpfer später fallen wir in Vik ein. Hier haben wir 45 Minuten Zeit um den legendären Black Sand Beach zu bewundern und auf eigene Rechnung unseren Appetit zu stillen. Da es am Strand so verflucht windig ist, dass es mich fast aus den Socken haut, mache ich mich nach 15 Minuten schon ab ins warme Restaurant.

Nun folgt mit knapp 2.5 Stunden der längste Fahrtabschnitt des heutigen Tages: Es geht weiter bis zur Gletscherlagune Jökulsárlón. In diesem wunderschönen, arschkalten Ort gibt es kleine Eisberge zu bewundern. Ich entscheide mich für die Teilnahme an einer 40-minütigen Bootsfahrt – wobei das Wort „fahren“ hier tatsächlich zutrifft, denn das Boot kann sich dank Rädern auch an Land fortbewegen. Vor der Fahrt habe ich noch ein paar Minuten Zeit, am Ufer selbst ein paar Fotos zu schiessen und auf einem kleinen Hügel den Blick von oben zu geniessen.

Um 15 Uhr beginnt die Fahrt, wir erhalten Schwimmwesten und ein Sicherheitsbriefing, was beim Lärm des Motors schwer zu verstehen ist. Wie war das? Unbedingt auf die Bänke steigen und ins Wasser fallen? Klar, kein Problem!

Der Kapitän führt uns durch die teils über 300 Meter tiefe Lagune und um viele Eisberge herum. Zur Halbzeit wird kurz gestoppt, ein Beiboot bringt uns ein grosses Eisstück von einem der Eisberge, welches unser Tourguide Anna (oder Karla? Wie gesagt, schwer zu verstehen bei dem Lärm) erst herumreicht und dann in kleine Eiswürfel zerteilt. Jeder kriegt dann einen Brocken dieses 1’000 Jahre alten Eises zum Lutschen, denn so etwas „altes hätten wir noch nie im Mund gehabt.“. (die kennt wohl meinen Kühlschrank nicht.)

Nach der Fahrt habe ich noch ein paar Minuten Zeit, mich mit einer warmen Schokolade aufzuwärmen, dann geht es wieder ab in den Bus. Allerdings nur für einen kurzen 2-Minuten-Hüpfer, denn unser nächstes Ziel ist fast nebenan, die Diamond Beach.

Leider gibt’s hier keine echten Diamanten, aber der Strand ist voller Eis, welches so klar ist, dass es wie Diamanten aussieht. Wir machen hier nur kurz halt und sind bald wieder auf dem langen Rückweg nach Vik, wo wir am gleichen Ort wie am Mittag 45 Minuten Zeit für uns haben. Es ist schon stockdunkel, daher wird ein Spaziergang am schwarzen Strand nicht empfohlen. Ich setze mich ins Restaurant und geniesse etwas feste Nahrung.

So ganz fertig sind wir noch nicht mit dem Sightseeing. Unser letzter Stopp führt uns zu einem weiteren Wasserfall: Dem Seljalandsfoss. Hier könnte man theoretisch hinten durch laufen, wovon uns aber abgeraten wird, weil man könnte in der Dunkelheit ja ausrutschen und Mimimimi. Für Fotos taugt es auch nicht viel, da die aufgestellten Scheinwerfer nicht wirklich stark sind und ich das Stativ nicht dabei habe. Deshalb muss der Nachtmodus meines Natels halt mal ran.

Wir treten die Heimfahrt an, müssen aber unterwegs kurz einen Tankstopp einlegen. Zwei Minuten später geht es weiter, raus auf die Strasse und nochmals rein in die gleiche Tankstelle. Man will auf Nummer sicher gehen und noch etwas mehr tanken. Ich hoffe mal, es sind nicht aller guten Dinge drei… Nein, zweimal reicht, ab geht’s nach Hause. Um 22.15h lädt mich der Bus beim Hotel ab. Endlich schlafen. Wachheitsgrad: 0.001 %

Liebe Grüsse. Pascal