Willkommen zu meinem Reisetagebuch. Eine ganze Woche lang statte ich der schwedischen Hauptstadt einen Besuch ab.
Mein Mittwoch fing genau so an wie mein Dienstag: Wecker, Duschen, Frühstück, raus. Das Wetter war wie gehabt im Bereich von #F2F2F2 bis #6E6E6E. Aber wieder hatte ich mit dem Regen Glück, es gab nämlich grad keinen.
Da meine Schulter vom Geschleppe der letzten zwei Tage formalen Protest einlegten, liess ich den Kamerarucksack heute im Hotel und nahm nur die Kamera und mein 18-250mm-Objektiv mit. Auch wenn mir klar war, dass ich mein Ultraweitwinkel ab und zu vermissen würde.
Mein erstes Ziel war die Fotografiska, ein Museum für Fotografie ca. 3 Kilometer nördlich vom Hotel. Die knapp 40-minütige Strecke bewältigte ich zu Fuss und schlug Punkt 9 Uhr vor dem auffälligen Ziegelbau auf, der genau zu der Zeit seine Pforten öffnete. Eintritt war mit Stockholm Pass gratis, also Prospekt geschnappt und Jacke sowie Kamera in den kostenlosen Schliessfächern verstaut. Die Hauptausstellung widmet sich derzeit einem vor Kurzem verstorbenen schwedischen Fotografen. Neben neueren Werken sind auch viele Fotos aus den 80ern und 90ern ausgestellt, die Zeit vor Photoshop. Zudem ist seine alte Kamera ausgestellt, inklusive Blitz mit Batterietasche. Im oberen Stockwerk sind zudem kleinere Ausstellungen von anderen Fotografen zu besichtigen. Alles in Allem bin ich eine gute Stunde durch die Galerien geschlendert, bevor ich mir im Museumsbistro einen kleinen Snack gönnte. Ein sehr schöner Start in den Tag, bis jetzt einer meiner Favoriten.
Nach einem kurzen Spaziergang zur nächsten Metrostation (ich schreib‘ ab sofort Metro, nicht mehr U-Bahn, das geht einfacher), kurzer Fahrt samt Umsteigen ins Tram stehe ich vor dem Skansen, einem grossen Freilichtmuseum-Schrägstrich-Zoo. Also quasi eine Mischung zwischen dem Ballenberg und dem Zürcher Zoo. (oder einem anderen Zoo, oder dem Tierpark Goldau, oder whatever). Auch hier gilt wieder: Freier Eintritt mit Stockholm Pass.
Aufgrund des Wetters und der Nebensaison waren auch hier kaum Leute unterwegs (mit Ausnahme von ein paar lärmenden, schreienden, lauten, nervenden, herumrennenden Schulklassen). Allerdings waren auch einige Tiere schon in ihren Winterresidenzen oder haben sich sonst gut versteckt. Trotzdem war dies aus fototechnischer Sicht das bisher interessanteste Museum, da draussen nun mal bessere Lichtverhältnisse herrschen als in Innenräumen. Klar, Tiere habe ich schon zur Genüge abgelichtet, und ein Erdmännchen sieht auch in Schweden aus wie ein Erdmännchen (vermutlich wird es hier einfach mit Kötbullar gefüttert). Dafür hat es viele alte Häuser, die sich zum Teil gut ablichten lassen und ich ein wenig mit der Bildkomposition herumexperimentieren kann. Und aufgrund der wenigen anderen Besucher ist die Gefahr klein, dass mich jemand sieht, wenn ich mich am Boden verrenke, um den richtigen Blickwinkel zu bekommen. (Allerdings hätte mir genau hier mein Weitwinkelobjektiv geholfen…)
Ein Aquarium gibt es hier übrigens auch noch! Das beheimatet das übliche Getier wie Schlangen, Spinnen, Insekten, Krokodile (oder Alligatoren?) und natürlich Fische. In einem Aquarium schwammen Piranhas und eine riesige Schnappschildkröte hin- und her. Immer wenn die Schildkröte nach rechts schwamm, schwammen die Fische nach links, um ihr Platz zu machen. Und anders herum. Und wieder hin. Und wieder her. Und das viele viele Minuten lang. Und ich hab zugesehen. Viele viele Minuten lang. Mensch, bin ich leicht zu begeistern. Wenn mir jemand Popcorn gebracht hätte, ich hätte mich hingesetzt und das den ganzen Tag angeschaut. Hatte was hypnotisches…
Wie dem auch sei, bald mal packte mich der Hunger (war ja schon 13 Uhr), also erst mal ab ins Museumsrestaurant, resp. eines der wenigen, die noch geöffnet waren. Hunger gestillt, an der Entsorgungsstation gerätselt, was wo hinkommt, und langsam mal Richtung Ausgang geschlendert.
Quasi direkt neben Skansen liegt das ABBA-Museum. Ich jetzt kein grosser ABBA-Fan, aber die gängigen Hits sind auch mir bekannt und lassen mich auch mal mitwippen. Das Museum ist das erste, in dem ich den Eintritt bezahlen muss. Ich kaufe einen Audioguide hinzu und lasse meine Jacke in der Garderobe. Bevor es ins eigentliche Museum geht, gibt es einen Ausstellungsraum voller Gittarren, die diversen bekannten Künstlern gehört haben. Zudem kann man sich dort an einer Runde „Guitar Hero“ versuchen. Das mache auch ich und würde ganz bestimmt voll abrocken, aber die Gitarre… also… die… ääähhh… die… funktioniert… nicht… so ganz… Also weiter in die ABBA-Ausstellung.
Die Ausstellung ist das, was man erwartet: Mit vielen Bildern, Videos und Zeitungsartikeln werden Aufstieg und Karriere der vier Bandmitglieder beleuchtet. So weit so standard. Das geniale am Museum ist jedoch, dass man an diversen Stationen sein Ticket scannen und dann etwas machen kann. Angefangen von einem Quiz, über ein Spiel, wo man den Sound für einen ABBA-Hit richtig mixen muss, über Karaoke, ein Fotoshooting „Wie würdest du als Agneta, Benny, Björn oder Anni aussehen (siehe Titelbild über dem Beitrag) und Tanzen und und und… Die Resultate (Punktzahlen bei Quiz, das Soudfile beim Karaoke, Fotos des Fotoshootings, etc.) werden auf Wunsch gespeichert und können während 30 Tagen auf der Homepage heruntergeladen werden, indem man seine Ticketnummer eintippt. Ich hätte meinen Karaokegesang von „Gimme, gimme, gimme“ ja gerne mit euch geteilt, aber ich will euch ja nicht zu neidisch machen. Meine Gesangskarriere als 5. Mitglied von ABBA (resp. wir nennen uns dann PABBA) ist zum Greifen nah!
Aber auch hier bin ich irgendwann durch, es ist 15 Uhr, langsam dunkelt es schon. Ich will deshalb erst mal zurück ins Hotel. Heutiges „Museumsfazit“: Zwar nur in dreien drin, dafür in allen Spass gehabt.
Wenn ich schon im Hotel bin, wird es langsam Zeit für das Erstellen der Postkarten. Zum Glück gibt es dafür inzwischen auch Apps, sonst wäre es ja eine Heidenarbeit 😉
Nach einer kurzen Pause schnappe ich mir Kamerarucksack und Stativ und mache mich auf zum Skinnarviksberget, diesem Hügel, dessen Aussicht mich jetzt nicht gerade vom Hocker gehauen hat. Ich wollte doch noch etwas versuchen und bin gespannt, wie das Ergebnis zuhause aussieht (auf dem kleinen Kamerascreen sieht es nicht schlecht aus).
Nach einem kleinen Abendessen beende ich nun den Tag und mach es mir im Zimmer gemütlich.
Cya,
Pascal



